Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

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Die Glaubwürdigkeit des Cyriacus von Ancona

Die aus dem Hamilton'schen Nachlasse nach Berlin gebrachte
Excerptenhandschrift des Petrus Donatus (prov. Nr. 458), speciell
die von Cyriacus von Ancona eigenhändig niedergeschriebenen
Nachrichten über seine griechische Reise von 1435/36 an P. Donatus
haben uns vielfach tiefer in die Thätigkeit dieses für die Entwick-
lung der lateinischen und griechischen Epigraphik so wichtigen
Mannes blicken lassen. Ich will hier nur von einer Eigenheit des-
selben sprechen, just nicht seiner besten, nemlich von seiner Unzu-
verlässigkeit. Mommsen hat in seinem anziehenden Aufsatze 'Ueber
die Berliner Excerptcn - Handschrift des Petrus Donatus' in den
'Jahrbüchern der k. preussischen Kunstsammlungen' IV (1883) 75. 78
frühere Vorwürfe zu begründen vermocht und namentlich an einem
Beispiel gezeigt, mit welcher Unverfrorenheit der Anconitaner zu
Werke gieng. Dieser behauptet nemlich f. 81T die Inschrift:

Hcriobog Moucraig GXiKuuveffi Tnb' aveSnKa
uuvu) viKicrag ev XaXiabi Beiov Ounpov

selbst gelesen zu haben: \A. Gellius) adducit epigramma, quod apud
Heliconem in tripode Musis Hesiodus ipse dicarat. id ir/itur it in mar-
more Atticis consculptü litteris apud Thelonicä (sie) invem. Er hat
hier 'die helikonische Ortsangabe aus dem von ihm citierten Gellius,
den Text aus der planudeischen Anthologie ') genommen; das Uebrige
ist freie Erfindung' wie Mommsen a. 0. S. 78 bemerkt.

Aber dies ist nicht das einzige Falsum in der Sammlung. Ich
finde noch folgende ähnliche Stücke darin2):

a) f. 82' und f. 90v = C. I. Gr. 3555 (Doni VII n. 91, p. 336
'ex ms. f. Joh. lucundi Veronensis'; Bonada I p. 410). Angeblich in
Pergamou gefunden.

f. 82 oben: oynoma • mey ■ zAn*njTOzzoN ■ aeype!>e£x|nN • AOiAfiN|

0haeihn ■ ANAPflN ^ jOEEON • omaion1ahz : -

') A. P. VII WA (&br\\ov) = 'Ayujv 'Hmöoou Kai "Ouripou p. 36C Göttling'.

') Vgl. auch Kaibel epujr. Oraeca ex lapidibus coli., p. V. Den genauen
Text der Abschriften des Cyriacus verschaffte mir durch die gütige Vermittlung
Herrn Direktors A. Coline Herr II. Hersel in Berlin.
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