Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

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In Monastirine wurde eine christliche Basilica mit dazu gehörigem Coeme-
terium aufgedeckt. Während man früher nur gelegentlich auf diesem Gebiete Gra-
bungen veranstaltete, die von manchen interessanten Funden begleitet waren*), ging
man erst in letzter Zeit, seit November v. J., mit Unterstützung der Central-Com-
mission an eine systematische Aufdeckung der alten Basilica. Das Resultat dieser
Grabungen ist ein äusserst ergiebiges und lehrreiches für die christliche Archäologie
und die Kirchengeschichte. Ueber den Fortgang derselben und ihre Ergebnisse
berichtet regelmässig und eingehend Bulic in den einzelnen Heften des Bull. Dalm.
Wir geben im Folgenden eine Zusammenstellung der auf dem Boden der Basilica
und deren Umgebung gemachten Inschriftenfunde**). Ueber die Anlage der Basi-
lica berichtet Buli6 (B. D. VII p. 9 f. und Mittheilungen d. Central - Comm. X,
1884, p. CV f.): „Aus dem Atrium gelangt man in einen Narthex (lat. ferula)
(1. 5'10, br. 18-90), d. i. den Theil, der zwischen der Vorhalle und dem eigentlichen
Kirchenschiffe sich befindet; dieser Narthex ist von dem Schiffe durch eine Mauer
getrennt, die jedoch durch drei Thüren mit demselben communicirt; das Schiff zer-
fällt in die drei Theile: Hauptschiff, linkes und rechtes Seitenschiff. Längs der
linken Seitenwand und längs der Wand, die Atrium und Narthex trennt, bemerkt
man eine Erhöhung des Fussbodens von ca. 0"40 M., die wohl zu Sitzen für die
Gläubigen bestimmt war; an der rechten Seite des Narthex befindet sich eine Thür,
die später vermauert wurde, die in ein mit der Kirche zusammenhängendes Ge-
bäude, vielleicht auf die Strasse führte". Schon im November v. J. wurde der
Grundriss der Basilica mit den drei Schiffen und zum Theil die Apsis und ein Theil
der Gebäude, die an das linke Seitenschiff stossen, aufgedeckt; im Deeember v. J.
wurde die Apsis vollkommen aufgedeckt, in diesem Jahre wandte man sich haupt-
sächlich der Aufdeckung des Coemeteriums im Osten der Basilica zu, da das Grand-
stück, auf welchem sich das Atrium befindet, noch nicht für die Ausgrabungen
gewonnen werden konnte. Drei Gräberschichten wurden beobachtet; viele Sarko-
phage, Inschriften, Architekturfragmente und andere Gegenstände wurden gefunden.

*) Vergl. Mittheil. d. Central-Comm. N. F. IV, 1878, p. LXXXII n. 35—39,
erklärt von De ßossi Bullettino di Archeologia christiana III ser. 3 (1878) p. 100 ff.;
ebda. gef. wahrscheinlich auch die in Mitth. d. Central-Comm. a. a. O. unter nr. 35
veröffentlichte Inschrift, erklärt von De Rossi a. a. O. p. 110, ferner auch die in
den Mitth. d. Central-Comm. N. F. I, 1875, p. XLVII unter nr. 15, 26-33, 35—46,
endlich p. VIII unter nr. 45—46 mitgetheilte Inschriften. Sicher gefunden wurden
hier die oben unter n. 41 angeführte Inschrift, sowie eine Anzahl kleinerer Fragmente,
die in diesen Bericht nicht aufgenommen worden sind u. zw. B. D. IV p. 51
n. 18-21 = Mitth. d. Central-Comm. N. F. VII p, CLVII, B. D. VI p. 18 n. 6—12,
B.D. VII p. 19 n. 7—13, p. 52 n. 20—22, p. 85 f. n. 39—47.

**) Für die folgenden christlichen Inschriften konnte ich mit Ausnahme von
n. 158—9, 162, 165, 169—70, 175, 178, 180—4, Abschriften von Mommsen nach den
ihm von Bulic geschickten Abklatschen benutzen, die Mommsen an Prof. Hirsch-
feld eingesandt und deren Benützung für diesen Bericht freundlichst gestattet hat;
von Abweichungen dieser Abschriften vom Bullettino habe ich nur die wesent-
lichen angegeben.
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