Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 8.1884

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Der Kaiser Michael, durch den «die Stadt des Oonstantin"
befreit wurde, ist der Paläologe dieses Namens, welcher im J. 1261
die Lateiner aus der Hauptstadt vertrieb und das byzantinische
Kaiserreich wieder herstellte; hierauf bezieht sich der anstössige,
viel emendirte zweite Vers. 'H KuuvcnavTivou für f\ KuivcrravTivou-
ttoXis' ist bei den Schriftstellern gar nicht selten, ähnlich ist z. B.
f| 'AXeiEävöpou bei Nicephorus S. 9 ed. de Boor für Alexandrien.
Aüffövwv xXeos = 'Pwucnuiv d. i. der Oströmer, wie C. I. G. 8735 Irene
'AXetiou, KpccrouvTos Aüffövuuv, bduap

genannt wird.

Zur Zeit des Michael VIII. war Adrianopel Grenzfestung gegen
die Bulgaren (Georg. Pachymeres III, p. 210) und die zahlreichen
Kämpfe mit dem Oonstantin Tech, namentlich im J. 1265, zeigen,
gegen welche Barbaren der Kaiser die Stadt befestigte. Auf einem
andern Theil der Mauer stand noch die folgende, jetzt anscheinend
verlorene Inschrift (C. I. G. 8755): K(upi)e ßor|6ei tuj [eü]ffeß[e]axaTiu
kcu qpiXoxpicTTLU BaffiXei f)uujv tlu Mixcü'iX Kouvnvuj tuj TTaXaioXÖYin,
welche denselben Kaiser nennt; der Johannes von C. I. G. 8780
= n. 5 kann natürlich nicht, wie die Herausgeber wollen, Johannes
VI. Palaeologus sein (1425—1448), da Adrianopel bereits im J. 1360
von den Türken erobert wurde; vermuthlich ist es der Komnene
dieses Namens, welcher von 1118—1143 regierte.

Endlich wird auf den Mauern noch ein dritter Name gelesen:

-n

Dieses Monogramm, welches sich auf einem viereckigen Thurme
findet, enthält den Namen Bpuev(vioc), vermuthlich den des Nico'
phorus Bryennius, welcher sich im J. 1077 gegen Michael III. und
Nicephorus Botanhites auflehnte und mit seinem Bruder Jobannes
sich in Thracien hielt; der ganze Aufstand wurde im folgenden
Jahre unterdrückt. Während dieser Zeit belagerten die Petschenegen
Adrianopel, wo Bryennius residirte, und dieser musste ihren Abzug
durch Geld und Geschenke erkaufen, s. Muralt, Chronographie Byz.
ad a. 6585.

Die byzantinischen Mauern von Adrianopel werden vermuthlich
nicht mehr lange existiren; von den grossen runden Eckthürmen
stand während meiner Anwesenheit nur noch der mit der Inschrift
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