Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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Verdienste erworben haben, ist wenigstens die vorläufige Bergung
der immer reiohlieher zuströmenden Funde ermöglicht worden.
Dennoch wird man sich der Ueberzeugung nicht verschliessen
können, dass auch der jetzige Zustand sowohl für die Conservirung
als für die wissenschaftliche Benutzung der Denkmäler ein äusserst
ungünstiger ist. Nicht allein dass die Fundstücke, abgesehen von
den in Salona selbst befindlichen, in drei getrennten Sammlungen in
Spalato haben deponirt werden müssen, sind zwei derselben: das
eigentliche Museum und insbesondere das früher als Salzdepot be-
nutzte Magazin Katalinic so feucht, dass die Monumente bereits
wesentlich gelitten haben und z. B. Inschriften, die noch von
Mommsen, der freilich auch bereits über die Feuchtigkeit des Mu-
seums klagt, vor zwanzig Jahren gelesen wurden, in dem Museum
Katalinic heutzutage fast gänzlich zu Grunde gegangen sind. Dazu
kommt die in beiden Orten herrschende Dunkelheit, die in Ver-
bindung mit der durch die räumliche Beschränkung des Museums
gebotenen Zusammendrängung der Objecte ein Studium derselben
in hohem Grade erschwert. Nur die von Director Bulic seit kurzem
im Erdgeschoss des Gymnasiums deponirten Stücke sind vor Feuch-
tigkeit geschützt und wenigstens erträglich beleuchtet.

Dringend geboten erscheint daher die Erbauung eines eigenen
Musealgebäudes in Spalato. Wenn dasselbe, wie bereits dem Ver-
nehmen nach in Aussicht genommen ist, mit dem jetzt in einem
gemietheten Locale befindlichen Gymnasium combinirt werden würde,
so könnte man ohne grosse Kosten den bereits vorhandenen und
stets wachsenden Bedürfnissen in ausreichender Weise Rechnung
tragen. Aber rasche und definitive Hilfe ist unerlässlich, denn
senatu deliberante monwnenta pereunt und auch mit einer provisorischen
Massregel ist nicht geholfen, da jeder neue Transport den schwer
beweglichen und grossentheils bereits gebrochenen Steinen ver-
derblich wird.

Unabweislich ist ferner eine erhebliche Erhöhung der Dotation
des Spalatiner Museums, um dasselbe in den Stand zu setzen, wenig-
stens die wichtigeren in Salona und Umgegend gemachten Funde zu
erwerben und die Verschleppung derselben ins Ausland durch die
zahlreichen Besucher der Ruinen von Salona, die alle gern ein An-
denken nach Hause zu bringen wünschen, zu verhindern. Ver-
schlingt doch allein der Transport der oft gewaltigen Inschriftblöcke
schon einen grossen Theil der kleinen Dotation, so dass für die
Erwerbung der einen grösseren Kunstwerth repräsentirenden Objecte,

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