Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 22
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die Inschrift folgendermassen: Herculi Aug(usto) sac{rum). Valerius)
Valerianus mil(es) cum insisterem ad capitella columnarum ad t{h)er-
mas Licin(i)an(as) sq_aseivnf Sirmi v(otum) l(ibens) solvi).

Die Inschrift bietet eine merkwürdige Parallele zu der von
Wattenbach ans Licht gezogenen und seitdem von verschiedenen
Gelehrten commentirten passio sanctorum IVcoronatorum, die bekannt-
lich in ihrem ersten Theil in den Steinbrüchen Pannoniens und
zwar allem Anschein nach in den Brüchen der Fruschka-Gora bei
Sirmium (vgl. Karajan in Wiener Sitz.-Berichte 10, 1853, S. 136)
spielt. Ausdrücklich wird in dieser passio in Uebereinstimmung mit
unserer Inschrift die Bearbeitung von Säulenkapitellen neben anderen
Aufträgen den Arbeitern überwiesen, vgl. §. 1 (S. 325 der Aus-
gabe Wattenbach's bei Büdinger: Untersuchungen z. röm. Kaiser-
geschichte Bd. III): Dioclitianus Angustus .. praecepit ut ex metallo
porphyretico columnas vel capitella columnarum ab artificibus in-
ciderentur und ebenda: desidero per peritiam artis vestrae columnas
vel capitella columnarum ex monte porphyretico incidi, vgl. §. 4
p. 330: volo mihi fieri columnas et capita foliata.

Valerius Valerianus hat ohne Zweifel nicht zu den Arbeitern
gehört, sondern zu dem Militär-Detachement, das sich in der Regel
bei den kaiserlichen Bergwerken zur Beaufsichtigung der Arbeiter
und der Arbeiten (dazu passt das hier gebrauchte insistere) und
Aufrechterhaltung der Sicherheit befand (vgl. C. I. L. XI, 1322 =-
Donati 176, 1; Letronne recueil I S. 167 ff. und S. 430 und meine
Verwaltungsgeschichte I S. 80). — Sowie in der passio die Auf-
träge vielleicht für eine grössere Thermenanlage (an die Diocletians-
thermen denkt Benndorf bei Büdinger a. O. S. 355; in dem zweiten
in Rom spielenden Theile der passio §. 9 werden eigenthümlicher
Weise die thermae Traianae genannt) bestimmt sind, so werden in
unserer Inschrift ausdrücklich die thermae Licinianae genannt. Man
kann zweifelhaft sein, ob dieselben (wie Mommsen annimmt) in
Sirmium zu suchen seien, so dass ad local zu fassen wäre. Ich
möchte eher die in Rom befindlichen, in den Mirabilia als thermae
Licinii oder Licinianae bezeichneten, darunter verstehen, die schwer-
lich, wie Donat annahm und Jordan (Topographie II S. 221 ff., 518)
unentschieden lässt, mit den thermae Surae identisch sein werden;
vielmehr dürften dieselben, wozu der Schriftcharakter unserer In-
schrift passen würde, von dem Kaiser P. Licinius Valerianus her-
rühren und vielleicht eine Erweiterung der Thermen des Decius
gewesen sein.
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