Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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bedeutendste Ueberrest klassischer Kunst der ganzen Küste entlang
von Pola an bis zum Peloponnese so nachdrücklich bezeugt, bestätigt
ihrerseits eine Gruppe unscheinbarer Monumente, die sich bestimmt
von der Masse der übrigen sondert, mit kaum geringerem Ge-
wichte. Es sind den zum Theil erhaltenen Inschriften nach dem
Silvanus oder ihm und den Nymphen gemeinsam geweihte Votiv-
bilder, welche in Relief gehauen auf Aren oder Platten aus heimi-
schem Kalkstein diesen Gott entweder allein oder mit den Nymphen
im Reigen verbunden darstellen. Zwar von bäurischer Arbeit ent-
behren diese ländlichen Gebilde, so dürftig und ungeschlacht sie
auch sind, doch nicht der charakteristischen Züge und muthen
uns gleichsam mit der frischen Unbefangenheit eines echten Volks-
liedes an. Unter dem Namen des Silvanus tritt uns aber hier nicht
der italische Waldgott, sondern der griechische bockfüssige Pan
entgegen7). Gesellt sich auch der Hund zu dem einen wie zu
dem andern als wachsamer Begleiter, so trägt statt der Falx und
des Pinienzweiges des erstem der dalmatinische Gott Syrinx und
Pedum, und als dem Schützer der Heerden steht ihm die Ziege
zur Seite. Das Thierfell, an der rechten Schulter geknüpft und
im Schurze mit Früchten beladen, kommt beiden Gottheiten zu
und nähert sie wieder einander, so verschieden sie sonst auch
sind. Die Darstellungen der Nymphen folgen gleichfalls griechi-
schem Typus, nur erscheint hier als ihr Chorführer niemals wie
auf den attischen Reliefs Hermes, sondern immer nur Pan8). Sie
selber schreiten im Reigentanze einher oder sie stehen ruhig neben
einander mit Schilfstengeln in den Händen oder mit verschränkten
Armen; einmal halten sie nach römischer Weise Muscheln vor dem
Schoosse. Macht sich vielleicht auch hierin, und wie Pan den Frucht-
schurz von dem Silvanus übernimmt, der rückwirkende Einfluss

T) Ueber den Unterschied des Silvanus und des Pan vgl. Reifferscheid in
den Annali delV Instituto vol. XXXVIII (1866) S. 214 f.

8) Auf Darstellungen aus andern römischen Provinzen steht der echte Sil-
vanus an der Seite der Nymphen (Silvanae), so z. B. in kurzgeschürztem Chiton,
mit Chlamys und phrygiseher Mütze, den Fichtenzweig in der Rechten und das
Gartenmesser in der Linken auf einer Votivtafel aus Aquincum im Museum zu
Budapest (Arch.-epigr. Mitth. aus Oesterr. Jahrg. VII S. 86 n. 2, abgeb. in Archaeo-
logiai Ertesit'ö 1881 S. 170) oder nackt mit gesenktem Stocke (?) auf dem sehr
verstümmelten Fragmente aus Scharfenegg a. d. Leitha in der Sammlung des unteren
Belvedere (Sacken und Kenner's Katalog S. 50 n. 243; C. I. L. III 4534 mit der
unrichtigen Beschreibung: Silvani quattuor, quorum unus nudus). Vgl. dagegen den
^ otivaltar aus Aquincum, Desjardins monuments 6pigr. du musie national hongrois
Pl. XI n. 76.

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