Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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römischer Vorstellungen geltend, und gehören die noch vorhandenen
Reliefs auch einer vorgerückten Zeit an, so kann es doch nicht
zweifelhaft sein, dass die griechische Kunstform des Pan früher als
der römische Name des Silvanus im Lande, eingebürgert war. Pan
ist so recht der Herr dieser felsigen und kahlen Inseln und Gestade,
der weitausgedehnten Bergweiden Dalmatiens, die nur Ziegen karge
Nahrung gewähren. Im nahen Apollonia wurde er neben den
Nymphen verehrt und hatte seinen heiligen Hain, aus dem, wie die
Sage ging, die Klänge seines Flötenspiels bis in die 5000 Schritte
entfernte Stadt drangen9). Wie diese den Nymphenreigen bei dem
flammenden Berge auf ihre Münzen gesetzt hat10), so wählten für
die ihren die Pharier und Issaer den Ziegenbock als bezeichnendes
Symbol ihrer neuen Heimat. Offenbar haben die illyrischen Stämme,
welche von jeher dem Hirtenleben überwiegend anhingen, von den
griechischen Colonisten den bockfüssigen Pan als das passende Bild
ihrer Gottheit erhalten. Diese konnte in römischer Zeit ihren
Namen wechseln, nicht aber die überlieferte Form. Wie kein
andres haftet Pans Götterbild an dem dalmatinischen Boden. Länd-
liche Einfalt rettet es aus den heidnischen Zeiten in die christ-
lichen hinüber. Nicht vereinzelt scheinen die Beispiele, dass es
versteckt unter dem Namen eines Heiligen als Gegenstand aber-
gläubischer Verehrung sich noch lange erhalten hat11), und an dem

9) Ampelius Uber memorialis c. VIII, 1: ab Apollonia . . . milia passus quin-
que in monte Nymphaeo: ibi ignis est et de terra exit flamma. In silva Panis sym-
phonia in oppidum auditur. cf. Rohden de mundi miraculis quaestiones selectae
(Bonn 1875) p. 15 sq.

10) Eckhel doctrina numorum veterum pars I, vol. II p. 153 sq.

u) Glavinic erzählt Mitth. d. Central-Comm. N. F. IV (1878) p.XCII, Bull. dalm.
I p. 190, dass in Zaostrog vor Zeiten eine Statue des Pan gefunden wurde, die ein
Bischof zertrümmern Hess, weil die Dorfbewohner in ihr den heiligen Johannes
den Täufer verehrten. Aehnliches berichtet F'ortis viaggio vol. II p. 140: Non
molto lontano dalla fönte di Drasnize ävvi una Cappella dedicata a S. Rocco, dove
per lungo tempo fu onorato un bassorilievo antico, che poi passb a Venezia non ä
molti anni. Egli rappresenta un Satiro (d. h. ein Pan) mezzö coperto d'un
mantello di pelle di capra, col suo bastone in mano, e'l cane dap-
presso- qualche parte del di lui corpo e da Custode'd' orti. Una inferriata, che
gli era stata posta dinanzi difendealo dalle mani troppo profane, ma non impediva
che le buone donne, e le fanciulle del vicinato vi avessero una gran divozione, come
a una rappresentazione di 8. Rocco. Fu questo sconvenevole oggetto di superstizione
levato di notte dalla sua nicchia: il popolo di Drasnize ebbe a sollevarsi quando se
n avvide, ed appena fu tenuto in dovere dalV aver rilevato, che il preteso Santo era
stato asportato per comando d' una rispettabile Magistratura.
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