Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 46
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V L M S

Da der letzte erkennbare Strich der ersten Zeile deutlich gerade
ist, scheint die Lesung (ex) vis(u) ausgeschlossen.

Zwei Fragmente eines Reliefs aus Salona, gefunden in der
Nähe der Station, jetzt im Museum zu Spalato. Sie passen anein-
ander und sind zusammen 0'45 lang; das eine ist 015, das andre
0'28 hoch. Das erstere zeigt die Köpfe und Büsten der zwei rechts
stehenden Figuren des Pan und einer Nymphe, das andere die zwei
links stehenden Nymphen ohne Kopf, so dass aus den beiden Bruch-
stücken das vollständige Bild leicht reconstruirt werden kann. Pan
wendet den Kopf in Profil nach 1. und nähert die Linke dem
spitzbärtigen Kinne. Die drei Nymphen standen in gegürtetem
Chiton neben einander, mit beiden Händen eine Muschel vor dem
Schoosse haltend.

Fragment eines Reliefs, 0'23 hoch, 021 breit, im Museum zu
Spalato. Es zeigt die Figuren der zwei links stehenden Nymphen
ohne Köpfe nebst einem Vorderarm der dritten. Sie sind beschuht
und im gegürteten Aermelchiton mit Ueberschlag und Kolpos. Auf-
gelöstes Haar ist an den Schultern der am Rande stehenden
sichtbar. Dieselbe fasst mit der rechten Hand die Rechte der zweiten
und reicht die Linke der dritten.

Sämmtliche im vorstehenden beschriebenen Votive stellen den
Pan bärtig und mit Ziegenbeinen dar, sowie es im späteren Alter-
thum gäng und gäbe gewesen ist. Um so merkwürdiger ist
ein Relief (0*495 hoch, 0*30 breit), welches am Kukalj bei Karin
gefunden, erst dick mit Oelfarbe überstrichen über der Thür eines
Hauses in Benkovac eingemauert war und durch die Vermitt-
lung des Hauptmanns Herrn Schauer von Schreckenfeld in die
Sammlung des unteren Belvedere gelangt ist (Conze in der Zeitschrift
für bildende Kunst 1872 Seite 66). In einfach eingerahmtem Felde
steht ein Jüngling von schlanken Körperformen in Vorderansicht,
nur mit einer kleinen, an der linken Schulter genestelten Nebris
bekleidet und geschmückt mit einem Fichtenkranze im langen Haar.
Er hält die Syrinx in der etwas vorgestreckten Rechten und das Pedum
in der Linken. Zu seiner Rechten sitzt nach 1. ein Hund, der
den Kopf umwendend zu seinem Herrn aufblickt. Der Fichtenkranz
auf dem Haupte des Jünglings mahnt zwar an den römischen
Silvanus, die übrigen Attribute jedoch bezeichnen auch ihn als
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