Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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laufenden Rinne versehene Körper, auf dem die Inschrift (arch.-epigr.
Mitth. VIII S. 163 n. 245) unter einem plastisch gebildeten Feston
angebracht ist, wird von einem einfachen Gesimse und einem Dache
in Form eines abgestumpften Kegels bekrönt. Die Spitze derselben
ist zum Aufnehmen eines Holzbalkens zubearbeitet worden, da der
Stein früher als Stütze einer Bank in einem Hause im Borgo Erizzo
gedient hat. Diese Art von Grabmälern scheint Zara und der um-
liegenden Landschaft eigenthümlich gewesen zu sein. Zwei ähn-
liche sah ich in Nadin; bei dem einen derselben (1*23 hoch, 0'51
im Durchm.) mit der Inschrift Mitth. VIII S. 158 n. 229 in ein-
gerahmtem Felde ist das Dach mit aufwärts stehenden Schuppen
(nach Art eines Pinienzapfens) verziert; der andre ist völlig schmuck-
los. Ein dritter ohne Dach liegt bei der Kirche zu Podgradje
(Asseria), 0*86 hoch, ca. 0*65 im unteren Durchmesser (C. I. L. 2850);
die Kehlleiste seiner Basis ist mit Blättern verziert. Cassas (voyage n. 28
cf. pag. 88) zeichnete zu Zara einen vierten aus Nona, dessen Inschrift
(C. I. L. 2980) auf einer dem Cippus vorgestellten, mit einem
Giebel abgeschlossenen Stele eingemeisselt ist.

3. Kleinere Anticaglien — Vasen, Fibeln, Instrumente aus
Bronze, Ringe mit Gemmen — werden in der naturgeschichtlichen
Sammlung des Gymnasiums verwahrt, u. a. der Inhalt eines aus
Ziegeln errichteten, im Borgo Erizzo aufgedeckten Grabes: eine
Lampe mit cresces, eine Amphora und eine Schale aus Thon und
zwei Glasgefässe. Im Ganzen ist wenig erwähnenswerth. So etwa
eine 9 Ctm. hohe Bronzestatuette eines jugendlichen Satyrs
mit Thierohren und über der Stirne aufstehendem Haare, linkem
Standbeine, dem geschulterten Pedum in der Rechten, und einer auf
der rechten Schulter genestelten Nebris, deren mit Früchten gefüllter
Schurz von der linken Hand unterstützt wird. Die Statuette ist
hinten flach zubearbeitet und war deshalb wohl an irgend einem
Geräthe befestigt. — Ein auf der Insel Brazza gefundener Grab-
stein aus Kalkstein, 0*62 hoch und 0*37 breit, mit einem zacken-
förmigen Abschluss oben und einem Einsatzzapfen unten, zeigt
über einer unverständlichen Inschrift in überaus rohem Reliefe einen
Mann in Vorderansicht mit kugeligem Kopfe, unförmlichen Ohren,
quadratischem, diagonal durchfurchtem Körper und dünnen Armen.
Er schwingt in der Rechten eine Harpune gegen einen Delphin.
Die Beine der Figur sind plastisch nicht ausgedrückt. Ich zweifle
nicht, dass dieses barbarische Bildwerk altslavischen Ursprungs ist.
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