Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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Kistanje. Auf dem Platze sind auf Veranlassung des Herrn
Giorgio Sundiöic mehrere römische Sculpturen aufgestellt worden,
welche dem alten Burnum (Archi romani) entstammen. [Ueber die
Reste dieser antiken Ansiedlung vgl. Gliubich studi archeologici nella
Dalmazia im Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen Bd. XXII
S. 259 f., Bull. dalm. II p. 83 f.] Es sind darunter Säulenfrag-
mente, Gesimsstücke und dgl. Ein colossaler Kopf des Jupiter
aus Marmor, über 0 60 hoch, und ein andrer bärtiger Kopf aus
Kalkstein sind von roher Arbeit und ohne Belang. Dagegen sind
einige der in die Mauer um die öffentliche Cisterne eingelassenen
Reliefs aus Kalkstein von eigenartigem Interesse.

Das merkwürdigste darunter ist ein Bruchstück (etwas über
1*00 lang und 0*89 breit) mit dem Bilde der Juno. Die Göttin
sitzt nach r. und ist mit dem Chiton, der von der linken Achsel
herabgleitet, und mit dem Epiblema, das um die Beine geschlagen
ist, bekleidet. Trügt ein Rest an der Schulter nicht, so fiel ein
Schleier von ihrem Hinterhaupte herab. Sie hält in der nach-
lässig in den Schooss gelegten Linken das Zepter. Mit einer ge-
wissen, für die späte und provincielle Kunstübung charakteristi-
schen Aufdringlichkeit steht auf dem Knie des aufgestellten linken
Beines der Göttin ihr heiliger Vogel, der Pfau, der den Kopf seiner
Herrin zugewandt ein Rad mit dem Schwänze schlägt. Die Schwanz-
federn zeigen an ihren Enden tief gebohrte runde Löcher. Das
Relief ist links gebrochen; der Kopf der Figur, ihr rechter Arm
und ein grosses Stück der Draperie fehlen. Rechts ein senkrechter,
etwa 0*45 breiter Streifen mit Ornamenten, die aus Weinranken
gebildet sind. Buchstabenähnliche Zeichen im Bildfelde schienen
mir modern.

Auf einem anderen Fragmente (0*37 hoch) sieht man den
jugendlichen Kopf des Helios, von Strahlenkranz und scheiben-
förmigen Nimbus umgeben, den gesenkten Blick nach 1. rich-
tend. Eine dünne Leiste in der Höhe des Mundes weiss ich nicht
zu deuten.

Ein drittes Fragment (0*88 hoch, 1 M. breit) zeigt drei weib-
liche Figuren. Nur die mittlere ist vollständig erhalten. Sie steht
aufrecht in Vorderansicht und ist mit dem Chiton und dem Hima-
tion, welch' letzteres Hinterhaupt und Arme verhüllt, bekleidet.
Von der Figur links ist nur der linke Arm und der mit der Hand
gehaltene Kalathos auf der Schulter übrig. Jene rechts mit nacktem
Oberkörper und gekreuzten Beinen, welche das Gewand bedeckt,
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