Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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berührt mit der R. eine auf einer Säule liegende Kugel, ist also
Urania. Es fehlen der Kopf und der linke Arm derselben. Weder
Stil noch Grössenverhältnisse lassen das Stück einem Sarkophage
zusprechen.

Auf zwei Reliefs sind Oelbäume dargestellt; auf dem einen
derselben kriecht unten aus hohlem Stamm eine Schlange, wäh-
^ .rend oben auf einem Zweige ein Vogel sitzt. — In dieselbe
mjjj Mauer ist der der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts
angehörige Grabstein eines Soldaten der XI. Legion, L.
Cassius Martialis aus Aquae Statiellae in Liburnien (C. I. L.
2833) eingesetzt. Unter dem Inschriftfelde sind Richtscheit
(oder Massstab), Winkelmass und Zirkel abgebildet, und
\J zwischen beiden letzteren das räthselhafte beistehend skiz-
zirte Geräth.

In einem Privathause zeigte man mir nebst anderen kleinen
Anticaglien, welche in der Umgebung ausgegraben wurden, zwei
geflügelte Aeonbilder aus Bronze.

Muc (Andetrium). An der Landstrasse in der Nähe der Kirche
ist der Grabstein des Servius Ennius, Soldaten der achten
Cohorte (Arch.-epigr. Mitth. VIII S. 151 n. 198) aufgestellt. Von
beträchtlicher Höhe — bei 091 Breite 2'37 hoch, wovon 1*12
auf den oberen Theil fällt — zeigt er über dem eingerahmten In-
schriftfelde die Kniebilder des Verstorbenen und seiner Frau Fulvia
Vitalis in Relief zwischen zwei Halbsäulen, deren Schäfte mit nach
oben gerichteten schuppenähnlichen Blättern verziert sind. Die-
selben stützen ein Gebälke, das ursprünglich wohl einen Giebel
getragen hat. Zur Rechten steht der Soldat, bartlosen Antlitzes,
mit in die Stirne gekämmtem Kopfhaare. Er trägt über der Tunica
die geschlitzte, um den Hals mit dem Sinus versehene Paenula,
nähert die Rechte der Schulter und hält in der Linken eine Schrift-
rolle. An seiner rechten Seite ein langes Schwert; an dem Cingulum
drei herabhängende Riemen mit Metallbeschlägen und blattförmig
geschnittenen Enden. Links steht die Frau, deren Haar in Strähnen
nach hinten gestrichen ist, mit der Palla über dem Untergewande, die
rechte Hand an ihre Brust, die Linke auf die linke Schulter ihres
Gemales legend.

In der Nähe liegt ein zweiter Grabstein, dessen Inschrift bis
auf wenige Buchstaben zerstört ist. Unter derselben sieht man
noch den Ueberrest eines Winkeleisens, ein Bleiloth an einer Schnur,
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