Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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die zum grösseren Theile um ein Stäbchen aufgewickelt ist, und
einen Zirkel, dessen eine Spitze das Bleiloth berührt.

Sinj. Im Hofe des Franciskanerklosters sind mehrere Inschrift-
steine eingemauert, darunter der Grabstein des Burrius Trebucus
(Ephem. epigr. vol. IV 357). Die in einem oberen Stockwerke des
Klosters untergebrachte Lehrmittelsammlung des Gymnasiums be-
wahrt folgende aus dem alten Aequum stammende Fragmente
einer colossalen Statue des jungen Herakles:

1. Kopf aus weissem Marmor, der unter dem Einflüsse der
Feuchtigkeit fleckig geworden ist, 044 hoch sammt dem Bruch-
theile des Halses; Gesichtslänge 0*245, Stirnhöhe 0*06, Nasenlänge
0*085, innere Augenweite 0*10, äussere 0*17.

Gefunden nach den von Director F. Bulic gütig eingezogenen
Erkundigungen im Mai 1860 zu Jazvinke bei Citluk. Erwähnt als
„testa di un Pankratiasta" im Bull, di archeol. e storia dalm. VIII
p. 7. Abgebildet von zwei Seiten auf Taf. I. Durch das freund-
liche Entgegenkommen der PP. Franciskaner, welche den Kopf
nach Wien gesandt haben, war es möglich, Gipsabgüsse desselben
herstellen zu lassen.

Es fehlt links ein Theil des Gesichtes mit dem Ohr; das Auge
und ein grosses Stück der Wange ist aber vollständig erhalten,
und der entsprechende, getrennt gefundene Theil des Hinterhauptes
jetzt angefügt. Die Brüche scheinen nicht in Folge eines gewalt-
samen Eingriffes, sondern natürlich entstanden zu sein. Alles vor-
handene ist von glücklichster Erhaltung, auch die Nasenspitze un-
verletzt. Der Kopf war nur sehr wenig nach rechts geneigt. Die
Formen desselben sind überaus kräftig. Die durch parallel ver-
laufende Falten quer getheilte Stirne ist über der Braue stark
eingesunken und schwillt gegen die Nasenwurzel hin an. Der
Nasenrücken ist ungemein breit. Die Augenlider sind tief ein-
geschnitten, die Brauen leicht eingeritzt. Der Mund ist etwas
geöffnet, so dass die oberen Zähne sichtbar werden, das Kinn
voll und prall. Das Ohr zeigt die Missbildung der Pankratiasten.
Das dichte, kurzgelockte Haar steht über der Stirne auf und ist
mit einer schmalen, ringsumlaufenden Tänie geschmückt. Eine vor
dem Ohre herabfallende Locke schmiegt sich der Wange an. An
dem erhaltenen Bruchstücke des Halses ist der Kopfnicker stark
entwickelt, die Drosselader in ihrem Verlaufe unter der Haut deut-
lich erkennbar. Vortrefflich ist die Modellirung von Stirne, Auge
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