Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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und Wangen, und schön gezeichnet sind die Conturen der Augen
und Lippen. Die Gesichtstheile sind durchaus leicht polirt. Ver-
nachlässigt ist dagegen das Ohr und ungleich geringer die Aus-
führung des Haares. In seinem Schädelbau und den Gesichtszügen
erinnert der Kopf an den lysippischen Apoxyomenos. Man darf
ihn wohl in die frühe Kaiserzeit setzen , welcher auch die meisten
Inschriften aus Aequum angehören. Die unten zu erwähnende, mit
einer Keule bewehrte Hand verräth , dass er zu einer Statue des
Herakles gehört hat, der gleichfalls bartlos auf dem S. 50 beschrie-
benen Relief und den Münzen der illyrischen Stadt Heraklea dar-
gestellt ist,5).

2. Fragment vom Rücken, 0'47 lang, von dreieckigem Durch-
schnitte und von ziemlich regelmässigen Bruchflächen begrenzt, die
durch natürliche Sprünge im Marmor veranlasst zu sein scheinen.
Es zeigt einen Theil des tief gebetteten Rückgrates und ein Stück
der linken Schulter.

3. Die rechte Hand, an derselben Stelle wie der Kopf im
Frühjahre 1860 gefunden, 0*27 lang (das ganze Fragment 0*35) 023
breit. Der Bruch geht vom Ballen des kleinen Fingers quer bis
zum Processus styloideus radli; nur wenig an Knöcheln und Finger-
spitzen Verstössen. Die Hand war gesenkt, Finger und Daumen
legen sich leicht (ohne es jedoch zu fassen) an das dünnere Ende
der offenbar aufgestützten Keule, von der ein 0'25 langes Stück
(Durchm. 0 085) erhalten ist. Die dicke Haut, unter welcher Sehnen
und Geäder sich deutlich verfolgen lassen, bildet schwielige Polster
an den Gelenken der Phalangen. Die Nägel sind schmal und kurz
geschnitten. Zwischen den zwei letzten Fingern ist eine Stütze
geblieben. Die Arbeit ist tüchtig und spricht für das anatomische
Wissen des Meisters.

4. Die zwei oberen Phalangen des Mittelfingers der linken
Hand, 0*1 lang.

15) Scylacis Caryandensis periplus 22 {Geographi graeci minores ed. C. Müller
vol. I). MeT& 5e Aißupvcax; eiaiv MMupioi e'Gvoc;, Kai irapoiKouaiv oi 'IMupioi
-rrapd BdXaxxav f^exP1 Xaovia«; xf|c; Kaxd KepKupav xr)v 'AXkivöou vfiaov. Kai
ttöXk; eaxlv 'EMnvit; evxaüGa, fj övoua cHpdK\eta, Kai Xi^riv. Schon P. Nisiteo
(Gliubich numogr. dalm. p. 32) hat auf diese Stelle als der einzigen, die der Stadt
Heracleia Erwähnung thut, hingewiesen. Sie ist den übrigen Numismatikern ebenso
entgangen, als dem Herausgeber der Geographi minores die namentlich auf Lesina
so zahlreich zum Vorschein gekommenen Münzen} welche die Existenz dieser
griechischen Ansiedlung ausser Zweifel setzen, unbekannt geblieben sind.
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