Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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an der Casa Benzon Prete. Der Kopf (unter dem Halse abge-
schnitten) in Profil nach 1. ist bartlos und jugendlich, mit kurzem
Haare. Ein Flügel über dem Ohre und der plastisch gebildete,
aus seinem Munde kommende Windhauch bezeichnen ihn als Wind-
gott. Vor demselben ist im Reliefgrunde eine schräge Furche ge-
zogen. Nach Benndorfs ansprechender Vermuthung rührt das Bruch-
stück von einer Sonnenuhr her.

[Nicht gesehen habe ich die „in einem frei emporstehenden
Felsen eingehauenen Brustbilder einer römischen Familie", welche
Steinbüchel Dalmatien S. 12 erwähnt, desgleichen nicht die Sarko-
phage, welche nach demselben Autor S. 14 „an der äussersten
Spitze der Insel, wenn man sie hart am Lande in einem Kahn um-
fährt", im Meeresgrunde sichtbar sind.]



Spalato. 1. Aus dem reichen Besitzstande des Staats-
museums und seiner Depots im sog. Magazine Kattalinic, im
Gymnasium und der Mädchenschule, sei hier einer kleinen Gruppe
von der Göttin Diana geweihten Votivreliefs gedacht, welche
ähnlich den Pan- und Nymphenbildern für das Land, dem sie
entstammen, besonders eigenthümlich zu sein scheinen. Auch für
den Cultus dieser Gottheit dürften griechische Einflüsse massgebend
gewesen sein. Das Bild der Artemis findet sich nämlich auf auto-
nomen Münzen von Rhizon (Evans im Numismatic Chronicle vol. XX
p. 292), auf Münzen des Königs Ballaios (a Catalogue of the greek
coins in the British Museum: Thessaly etc. p. 81) und vielleicht auch
auf Münzen von Issa (Imhoof-Blumer in der Numismatischen Zeitschr.
XVI S. 250). Die thessalische Artemis Pheraia nennt die auf Lissa
gefundene Basis eines Weihgeschenks (C. I. Gr. 1837). Ein Heka-
taion in der modenesischen Sammlung zu Wien, nach Mommsen's
sehr berechtigter Vermuthung (C. I. L. 3156 a) gleichfalls dalma-
tinischer Herkunft, ist der Diana Kelkaia gesetzt (Arch. - epigr.
Mitth. aus Oesterreich Bd. IV Taf. 5, vgl. Bd. V S. 22; über
ein andres Hekatebild aus Salona im unteren Belvedere ebd. S. 72).
Ein Heiligthum der Diana (ad Dianam) am Berge Marian bei Spa-
lato kennt man aus der Tabula Peutingeriana (Segment V ed. Des-
jardins); es entspricht dem Dianion des Anonymus von Ravenna
(p. 380, 10 ed. Pinder und Parthey) und dürfte wohl eine vor-
römische Gründung sein. Hiemit mag es zusammenhängen, dass
von den vier Votiven an Diana, die das Spalatiner Museum besitzt,
drei in der Umgebung der Stadt gefunden worden sind.
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