Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 67
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em Kinne derselben. Zwei Bänder sind kreuzweise über ihre
Brust gebunden. Rechts hart an den Hufen des sprengenden
Pferdes steht die Figur eines gepanzerten Kriegers en face, das
(abgestossene) Gesicht nach 1. dem Reiter zuwendend. Sein Panzer
schmiegt sich den Körperformen an und ist mit halbrunden Pteryges,
herabhängenden Lederstreifen in doppelter Reihe übereinander und
befransten Aermeln versehen. Das über die linke Schulter ge-
worfene Paludamentum ist an der rechten genestelt. Ausserdem
trägt die Figur einen Helm mit niedriger Crista und kleinem
Nackenschirm auf dem Haupte, Beinschienen und Schuhe. An
letzteren sind deutlich der Lederstreifen auf dem Riste, darüber
eine wohl metallen gedachte Löwenmaske und jederseits über den
Knöcheln herabhängende Lappen erkennbar. Die Vorderarme fehlen.
An dem rechten Beine des Kriegers ringelt sich eine Schlange
empor (grösstentheils weggebrochen). Weiter rechts sieht man
zwei nach r. eilende männliche Figuren über einander, völlig gleich
mit kurzgeschürzter Tunica und über beide Schultern zurückge-
schlagenem Mantel bekleidet. Die eine sich duckend, bartlos, mit
kurzgeschnittenem Haare, legt die Linke auf das Knie, erhebt die
Rechte, die Handfläche dem Beschauer weisend, wie adorirend oder
erstaunend, und wendet das aufblickende Haupt zurück nach dem
Krieger. Die andere in gestreckter Haltung hält in der erhobenen
Linken eine Rolle; der Kopf fehlt. Ob in dem Gürtel ihrer Tunica
rechts ein Dolch steckt, vermochte ich nicht bestimmt zu erkennen.
— Es ist klar, dass der gepanzerte Krieger ein Imperator und
somit die wesentlichste Figur der ganzen Darstellung ist. Der
Reiter trägt dieselbe Tracht wie die beiden Figuren links und
wird wohl nur als Bote oder dergl. zu fassen sein. Daraus folgt,
dass Victoria nicht ihn bekränzen will, sondern dem Imperator zu-
eilt. Da das Antlitz des letzteren aber fehlt und die dargestellte
Persönlichkeit deshalb auch nicht annähernd zu bestimmen ist, wäre
es bedenklich, die Deutung des Vorgangs weiterführen zu wollen.
Die Sphinx weist nach Aegypten. Dem Stile nach kann das Relief
bestenfalls in das zweite Jahrhundert gesetzt werden. Die Propor-
tionen der Figuren sind kurz; die Arbeit bei grosser Deutlichkeit
und Ausführlichkeit in Einzelheiten ist trocken, stellenweise selbst roh.

Dr. E. v. Bergmannes Güte setzt mich in die Lage, fol-
gende Lesung und Erklärung der Inschriften an der im Museum auf-
bewahrten Sphinx Amenophis III. hier mittheilen zu können«

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