Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 72
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der Lapithen und Kentauren eingemauert, 0*98 hoch, 1'97 lang;
rechts gebrochen. Die Erhebung des Reliefs ist gering; die Arbeit
mittelmässig. Beistehende Skizze zeigt die aus der griechischen
Kunst fast rein übernommenen Motive der Composition. Links sieht
man von der Darstellung der anstossendenNebenseite des Sarkophages
die Reste eines Kentaurenkörpers. Er ist in höherem Relief als die
Figuren der erhaltenen Platte, woraus zu folgen scheint, dass die
letztere die hintere Wand des Sarges gebildet hat. Die Abbildung
bei Adam ruins of the Palace of Diocletian pl. LVIII ist ein Bei-
spiel mehr der völlig willkürlichen Wiedergabe der Monumente in
diesem Buche. An Stelle des im Himation gehüllten Verstorbenen
an der Ecke rechts (nur zur Hälfte vorhanden) ist ein bockfüssiger
Pan gesetzt. Wie meist copirt Cassas pl. 38 auch diesmal seinen
Vorgänger. Lanza delV antico 'palazzo di Diccleziano tav. XII Fig. 1
bessert wenigstens den erwähnten gröbsten Fehler aus, weshalb er
pag. 21 die „esattezza" seines Bildes zu rühmen nicht vergisst. Man
bemerke an dem steinschleudernden Kentauren rechts das Schwänz-
chen am Kreuzbeine.

5. An der Casa Plasibat sah ich gleich links von der Thüre
ein Votivrelief (0'29 hoch, 0*46 breit) aus Kalkstein eingemauert
mit der Darstellung der Lares Augusti. Es ist seitdem vom
Museum erworben worden. In der Mitte steht ein Altar mit der
Inschrift: lar-avg. Rechts und links nähert sich demselben im
Tanzschritt je ein Lar. Beide sind in herkömmlicher Weise mit
Schuhen and kurzer Tunica bekleidet; als Gürtel dient ihnen ein
um die Hüften geschlungenes Mäntelchen, dessen Ende frei im
Winde flattert. Sie erheben die eine Hand und halten in derselben
ein Rhyton, während sie mit der gesenkten andern aus einer Patera
in die Flamme des Altars spenden. Den Raum über dem Altar
zwischen beiden Figuren füllt die Inschrift C. I. L. 1950. Die
Figuren gleich dem vorragenden Rande des Steines sind an mehreren
Stellen verletzt.

6. Im Garten der Casa Eredi Rossignoli: Fragment eines
Sarkophages aus weissem Marmor, an drei Seiten gebrochen,
0*85 hoch, 0'35 breit. Erhalten ist, von kleineren Beschädigungen
abgesehen, eine nach r. sitzende weibliche Figur, welche mit der
Rechten in die Saiten der im Schoosse ruhenden Lyra greift und
die Linke auf das Joch derselben legt, bis zur Mitte der Ober-
schenkel, und der Oberkörper und der ebenfalls nach r. blickende,
gesenkte Kopf einer hinter ihr stehenden zweiten Frau. Erstere
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