Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 77
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1885/0087
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
scheinlich war das r. Bein weggestreckt, im Knie stark gebeugt
und aufgestellt. Das Kind umfasst mit beiden Armen den zottigen
Hund, mit dem es Unzucht treibt. Auf Befehl eines Pfarrers ver-
stümmelt.

V i d d o (Narona). In der Casa Illic über der Thüre ein
Relief, 0*32 hoch, 0'31 breit, unten und links gebrochen, war von einer
glatten Leiste (oben mit spärlichen Resten einer Inschrift) und einer
Hohlkehle umrahmt. Ein Jüngling sitzt nach 1. in einem Lehn-
stuhle gesenkten Hauptes und hält in beiden Händen eine kleine Ära.
Er ist mit der Aermeltunica und einem Ueberwurfe, der um die
Beine geschlagen ist, bekleidet. Sein Haar ist kurzgeschnitten.
1880 in einem nahen Sumpfe gefunden.

Im Dorfe trifft man auf Tritt und Schritt ansehnliche archi-
tektonische Fragmente, die auf prächtige Bauwerke weisen und
in gute Zeit zurückreichen. Das schönste darunter ist ein gewaltiger
Architrav beim Hause Plecas. Zwischen den Consolen sind an der
Hängeplatte Casetten angebracht, zwei derselben sind mit wohl ge-
arbeiteten Rosetten geziert und die mittleren mit zwei kreuzweise über-
einander gelegten ovalen Schilden. Beim Hause des Giovanni Illic
liegt ein Stück einer reich ornamentirten casettirten Decke mit Ro-
setten in den quadratischen, aufs Eck gestellten Feldern und
Vögeln in den dreieckigen Zwickeln. Ein andres Fragment über
der Thüre der Casa Don Eres. Der obere Theil (0 245 hoch, 0'90
lang) eines Grabsteins oder dgl. ist über einem Fenster des Hauses
des Antonio Vucic eingesetzt. In dem unten abgebrochenen Friese
stehen zwei Tritone einander symmetrisch gegenüber, mit geschul-
tertem Pedum in der einen Hand und einem von der andern ge-
haltenen mit Früchten gefüllten Korb auf der Schulter; ihre schlan-
genförmig gewundenen, mit Flossen bedeckten Leiber füllen den
Raum bis zu den Rändern. Bekrönt wird der Stein von vier mit
Rosetten geschmückten Scheiben, von welchen je eine rechts und
links, zwei aber in die Mitte gesetzt sind und eine Palmette tragen.
Die Verbindungsstücke zwischen letzteren und ersteren sind oben
concav eingezogen und mit nach aussen gewandten hundeköpfigen
Seeungeheuern geschmückt. Gleichzeitig mit diesem Stücke wurden
nach der Angabe des Besitzers aus demselben Sumpfe zwei seit-
dem verkaufte Köpfe eines Jünglings und einer Frau gezogen,
welche wohl mit einem von Glavinich im Herbst 1874 gesehenen
»sehr schönen" und „mit Ausnahme einer kleinen Beschädigung
loading ...