Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 85
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Die Irisschale des Brygos

Das köstliche Bild des Brygos (Monumenti inediti delV Inst.
IX 46 und Wiener Vorlegeblätter VIII Taf. VI), Iris darstellend,
welche flüchtigen Laufes der zudringlichen Begier zweier Satyrn
zu entgehen sucht, die sie schon an Armen und Gewand zu halten
suchen, und eines dritten, der nicht minder flüchtigen Laufes als
Iris selbst, sie zu fassen eilt, während der bärtige Dionysos am
Altar stehend mit Stab und Kantharos ruhig zuschaut, dies Bild
gab nur vollständiger, charakteristischer und geistreicher, was man
schon auf zwei früher bekannten, falsch gedeuteten Vasenbildern
(Welcker Alte Denkmäler III Taf. XVI S. 243) gesehen hatte. Neu
und überraschend war aber, von einem gleichzeitigen Vasenmaler
Jrh in der nämlichen Weise von Kentauren angefasst und ange-
halten zu sehen: Journal of hellenic studies I pl. III. Der Heraus-
geber Sidney Colvin hat für dies neue Bild die directe Quelle nicht
genauer anzugeben gewusst, als man sie für Iris und die Satyrn
ermittelt hatte, indem man an eine einigermassen ähnliche Scene
in den Vögeln des Aristophanes und an das Vorkommen der Iris
in Satyrspielen des Sophokles und Achaios, hier gar als Haupt-
person, erinnerte.

Es ist wohl möglich, ja wahrscheinlich, dass Satyrspiel oder
Komödie die Anregung zu dem einen wie dem andern Bild gegeben,
aber wenn wir diese nächste 'Quelle', um mich dieses Ausdrucks
zu bedienen, jener Darstellungen nicht kennen, so können wir da-
gegen die Quelle dieser Quelle, wie ich meine, mit Bestimmtheit
in einer vorliegenden Dichtung nachweisen, welche Iris zwar weder
von Satyrn noch Kentauren umworben darstellt, aber von Wesen
denen Satyrn und Kentauren allem Anschein nach von Ursprung
her gleich waren, nämlich von den Winden. Ilias 23, 194, da der
Scheiterhaufen des Patroklos nicht brennen will, ruft Achilleus
Boreas und Zephyros zu Hilfe. Iris überbringt das Gebet den
Winden:

oi juev apa Zeqpupoio bvdaeog dOpöot evbov

eiXamvrjv bcuvuvTo* öeoucra be *lpig errecnT)

ßnXüj em XiÖeur toi b'\hg i'bov öcpöaXjuoicriv

ir&VTeg dvrjiHav k&Xedv ie uiv eig e EKaöTos

f| b' aö65 eleaQm uev dvfjvonro, eine be juOÖov

Oi»x ebog u. s. w. sie wolle zu den Aithiopen zum Opferfest.
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