Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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Die Richtung des Walles habe ich, besonders so lange ich
zu Fuss ging, genau nach dem Compass verzeichnet und damit
ein viel detaillierteres Bild von dem Verlaufe der Linie gewonnen,
als es sich auf der beigegebenen kleinen Karte darstellen lässt.
Die Entfernungen sind nach Minuten und Schritten gemessen,
1 Minute zu 50 Doppelschritten, gleich 75 M. gerechnet. Auch die
Pferdeschritte lassen sich nach demselben Satze in Meter umrechnen,
da das Thier, wie ich aus der Nachmessung grösserer Strecken
gesehen habe, bei ruhigem Gang genau so weit ausschreitet wie
der Mensch; nur geht es stets rascher als dieser, und das Ver-
hältniss seiner Schritte zur Minute wird dadurch ein anderes.

Da in der Einöde ausser den spärlichen durchschneidenden
Chausseen alle Wahrzeichen fehlen, nach denen man irgend einen
Punkt des Walles bestimmen könnte, so habe ich, so oft eine Ort-
schaft in Sicht kam, die Richtung, in welcher dieselbe erschien,
verzeichnet.

Die Wälle beginnen alle drei ein Stück südlich von Kü-
stenge , das von den Rumänen jetzt wieder mit seinem unver-
dorbenen Namen Gonstanza genannt wird. Die Stadt liegt auf einer
Landzunge und verdankt jedesfalls den im S. und N. sie begrenzen-
den Meereseinschnitten ihren alten Namen Tduoi. Der grössere süd-
liche Golf, in dem sich auch der Hafen befindet, bildet an seinei
Westseite zwei stumpfe Winkel, den einen dadurch, dass die von
S. herlaufende Küstenlinie sich nach NO. wendet, den andern,
indem diese nordöstliche Richtung in eine rein östliche übergeht.
An dem ersteren Punkte beginnt der grosse Erdwall und der
Steinwall, an dem zweiten der kleine Erdwall. Beide Stellen sind
von einander, und die der Stadt zunächstliegende wieder von dieser,
d. h. vom Bahnhofe, 1 Kilom. entfernt.

Der Steinwall und grosse Erdwall laufen dicht neben einander
geradeaus nach W., 2l/2 Kilometer vom Meere kreuzt sie der kleine
Erdwall, der sich nach S. wendet und bis zur Donau hin immer
oben auf der Hochebene bleibt. Die beiden anderen halten sich
noch eine Weile bei einander, dann aber gehen sie, der Stein wall
nach S., der Erdwall nach N., ihre eigenen Wege und kommen
erst 1 Stunde hinter Alakap wieder zusammen. Hinter Megidie
hört der grosse Erdwall auf, und der Steinwall läuft allein auf dem
Südrande des Thaies weiter, bis er am Ende des letzten Sees,
1 1/q Stunden von Cernavoda, direct zur Donau hin abbiegt. Etwas
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