Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 91
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vorher beginnt an demselben See ein neues Stück des grossen
Erdwalls, das sich gleich in's Land hineinwendet und nach seiner
Vereinigung mit dem kleinen Erdwall den Fluss erreicht.

Verfolgen wir jetzt diese Schicksale der Wälle im Einzelnen,
und fangen mit der einfachsten und isoliertesten Linie an.

Der kleine Erdwall

An der beschriebenen nördlichen Biegung der hier 50 M. hoch
schroff aus dem Meere aufsteigenden Küste ist ein 3 M. hoher
rasenbewachsener Erdaufwurf sichtbar, der trotz der vielfachen
Zerrissenheit des Terrains sich unverkennbar als Anfang des Walles
kundgibt k.-^'^r schon nach 87 M. verschwindet er wieder, denn es
schneidet fii breiter Linie Chaussee und Eisenbahn durch, und
drüben hat in bunt zusammengewürfelten Hügelgruppen das Wasser
so viele Veränderungen angerichtet, dass sich der Zug des Walles
nicht mehr aufzeigen lässt. Erst bei einer weiterhin kreuzenden Fahr-
strasse, nach einer Unterbrechung von 450 M., erscheint der Ver-
misste wieder, freilich in weit schwächerer Gestalt, die jedoch, wie
sich bald herausstellt, seine gewöhnliche ist. Profil 1, das gleich
hinter dem Fahrwege aufgenommen ist, stellt somit ungefähr die

Fig. l.

Durchschnittsform dar. Zugleich wird an dieser Stelle klar , was
in der unregelmässigen Ufergegend noch zweifelhaft sein konnte, dass
der Graben an der Südseite liegt, damit also die Vertheidigungs-
front des Walles nicht, wie man erwarten sollte und wie es auch
bei den anderen Linien der Fall ist, gegen N., gegen das Barbaren-
land, sondern gegen Süden , gegen der Römer eigenes Gebiet
gerichtet ist. Von einer ähnlichen Erscheinung in England spricht
v. Cohausen p. 309.

Man sieht unsern Wall nun in westsüdwestlicher Richtung das
langsam ansteigende Feld hinaufziehen und sich den beiden andern
allmählich nähern Auf dieser Strecke sind, l1/* Kilom. vom Meere
entfernt, neun moderne Schanzen schräg in seine Krone einge-
schnitten. Solche Anlagen, die fast immer aus dem letzten russisch-
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