Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 92
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türkischen Kriege stammen, finden sich weiterhin noch öfter; Fig. 2
stellt den Zustand an unserer Stelle dar. Einen Kilometer später
schneidet die Eisenbahn den Wall, und nach einem weiteren Kilo-
meter findet die Kreuzung mit den zwei anderen Wällen statt, deren
Verhalten bei dieser Gelegenheit ein interessantes Licht wirft auf
das Altersverhältniss der beiden Theile. Die vereinigte Linie von

Fig. 2.

Steinwall und grossem Erdwall zieht nämlich in voller Breite und
ohne dass ihr Schanz- und Grabenwerk im minder angetastet
würde, über diese Stelle hin, hat somit den kleinen lößg ^all rück-
sichtslos durchbrochen: derselbe hört vor dem Graben des grossen
Erdwalles auf und fängt erst hinter der Abdachung des Steinwalles
wieder an. Wären die Wälle alle zu gleicher Zeit entstanden, so
begriffe man wohl überhaupt nicht, dass sie sich schneiden; sind
sie aber ungleichen Alters, so ist klar, dass der kleine Erdwall
zuerst da war und nachher, als Mächtigere kamen, Platz machen
musste.

Bis zum Kreuzungspunkte sah man rechts und links keinerlei
Anbau, sondern nur Weide, hinter demselben aber beginnen jetzt
Kornfelder, und der Wall, dessen Erdmasse unter dem Pfluge des
Landmannes auseinander geflossen ist, zeigt hier ein sehr flaches

Fig. 3.

Profil (vgl. Fig. 3). Allmählich erhebt er dann seinen Rücken wieder
und nachdem die Bahn zum dritten Male durchgegangen ist, 1*5
Kilom. hinter dem Kreuzungspunkte, wird er so stattlich wie sonst

Fig-. 4.

nur selten (Fig. 4). Der Getreidebau setzt sich auch hier an beiden
Seiten fort, aber er hat den Wall selbst unberührt gelassen.
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