Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 93
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1885/0103
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
Beim vierten Bahndurchschnitt kreuzt zugleich die grosse
südlich nach Jedi Oluk (a. d. russ. K. Hasdorltik) führende Heer-
strasse. Hier trennen sich Bahn und Wall auf Nimmerwiedersehen,
denn nun beginnt mit einer leichten Einsenkung das Karasuthal,
das der Eisenbahn ihren natürlichen Weg weist, während der Wall
es auf die Höhen abgesehen hat. In westsüdwestlicher Richtung
zieht er eine Erhebung hinauf; die auch der Steinwall mitersteigt.
Während dieser aber nach einer kurzen Probe auf die Hügelwan-
derung verzichtet, bleibt der kleine Erdwall seinem Vorhaben getreu
und schreitet in fortwährendem Auf und Nieder unverdrossen über
den dornigen Rücken der Hochebene hin. Es ist keine beneidens-
werthe Aufgabe, diese Wanderung mitzumachen; sie gehört zu den
schlimmsten Erinnerungen meines Lebens. Anstrengender Marsch,
glühende Hitze, die eben so glühenden Durst hervorruft, der mit-
genommene Vorrath längst erschöpft, auf dem ganzen Wege aber
kein Tropfen Wasser und kein menschliches Wesen zu entdecken:
es genügt, um einen zur Verzweiflung zu bringen.

2*25 Kilom. nach dem Verlassen der Bahn ist der Wall auf
der ersten Anhöhe (A) angelangt. Man sieht hier den Steinwall
ganz nahe nebenherziehen und grosse behauene Blöcke neben ihm
umherliegen. Auch auf unserer Linie zeigen sich hier plötzlich
Steine. Schon 300 M. zurück waren einige Brocken zu sehen
gewesen; auf dem höchsten Punkte fand ich jetzt mehrere grössere
Stücke wie zum Feststecken einer Fahnenstange zusammengelegt
und daneben im Graben ein paar Erlenbüsche gepflanzt; fröhliche
Schnitter schienen vor kurzem dort gelagert zu haben. Wieder
3(J0 M. weiter aber war das ganze Feld mit Steinen übersäet. Alle
zeigten unregelmässige Bruchformen, die stärksten einen Durch-
messer von 20 — 30 Ctm. Sie bestanden aus grauem und gelbem
Kalk und waren durch den Pflug weit verstreut, so dass sich von
einer bestimmten Anlage keine Spur mehr erkennen Hess

Die Erhebung des Walles ist hier sehr schwach, nur der
Graben hat seine gewöhnliche Tiefe behalten (vgl. Fig. 5]'; weiterhin

Fig. 5.

sieht man auch diesen vom Kornbau geebnet und die Linie nur
durch eine kaum wahrnehmbare Schwellung der Ackerkrume fort-
loading ...