Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 96
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1885/0106
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
derne Schanzen auf seinem Rücken und überschreitet
die folgende sanfte Ansteigung, um bald darauf mit dem
vom See herüberziehenden neuen Stück des grossen
Erdwalls zusammenzutreffen. Die eigentümlichen Be-
dingungen dieser Vereinigung jedoch und den Zug der
gemeinschaftlichen Linie bis zur Donau verfolgen wir
am besten bei der Besprechung des grossen Erdwalles,
zu der wir uns nunmehr wenden.

Der grosse Erdwall

Einen Kilometer südlich vom Anfangspunkte des
kleinen Erdwalles beginnt der grosse, und noch 75 M.
weiter der Steinwall. Diese beiden sind also ganz
nahe zusammen, und in einiger Entfernung vom Ufer
nähern sie sich einander noch mehr. Aber im Anfang
ihres Laufes befindet sich weder der eine noch der
andere in normalem Zustande: der Steinwall bildet die
Nordgrenze einer grossen Gärtnerei und ist für diesen
Zweck stark zugeschnitten ; der Erdwall hat zwar an
Höhe nichts eingebüsst, aber sein nördlich vorliegender
Graben ist durch den Wasserlauf unzähliger Jahre zu
einer jähen Schlucht ausgerissen, die direct in's Meer
hinunterführt. In dieser Schlucht sah Moltke „die zier-
lichen Reste eines römischen Hauses", die auch von
v. Vincke (1839) erwähnt werden. Bei meinem ersten
Besuch hatte ich von dieser Notiz noch keine Kennt-
niss und beachtete daher die Schlucht nicht weiter, das
zweite Mal aber machte tiefer Schnee jede Nachfor-
schung unmöglich.

Beide Wälle sind hier durch eine eigenthümliche
Befestigungslinie verbunden: oben am Uferrande ent-
lang zieht sich eine 8 M. breite und % M. hohe Erd-
erhebung mit drei kurzen, nach Innen vorspringenden
Ausläufern. Ich habe Aehnliches nirgend gefunden*,
aber das Profil der Erhebung hat zu viel Aehnlichkeit
mit den kleinen Lagerwällen, die wir gleich kennen
lernen werden, als dass ich an seinem römischen Ur-
sprung zweifeln möchte. Vielleicht ist die Linie der
letzte Rest eines Lagers, das hier hinter dem Walle lag.
loading ...