Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 103
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/archepigrmoeu1885/0113
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
Stellen der alten Befestigung aufnehmen könnten. Die neue er-
scheint darnach durchaus als ein dreifacher Wall; ihr mittlerer Arm
erhebt sich 5 M., die beiden seitlichen iy2—2 M. über die Graben-
sohle. Die Profile sowohl der Gräben wie der Wälle sind schmal
und scharf; Peters hatte wohl diese Anlage vor Augen, als er
schrieb (p. 142): „Die römischen Wälle sind aller Orten so wohl
erhalten, dass der Beschauer hie und da im Zweifel sein mag, ob
er nicht moderne Befestigungswerke vor sich habe."

Auf der ersten Strecke dieses neuen Walles habe ich keine
Lager bemerkt. Es wäre aber sehr sonderbar, wenn nie welche
dagewesen wären; wahrscheinlich sind sie durch den Ackerbau,
den ich hier überall eifrig betrieben sah, verwischt worden. Weiter
zum kleinen Erdwall hin finden sich mehrere Castra, ganz nach
Art der früheren. Zu den ersten beiden (26. 27) ist der kleine Wall
als Hintergrund benutzt, das dritte (28) ist wieder ein Meilen- oder
Manipularcastell, mit doppeltem Wall und Graben. Es ist etwa halb
so breit als lang und liegt in einer Senkung des Terrains.

Der Wall steigt von da gleich wieder hinauf, um in der nun
folgenden Tiefe, in der er zugleich scharf nach SW. umbiegt,
sich mit dem kleinen Erdwall zu verschmelzen. Zu verschmelzen
sage ich, denn man hat es hier nicht gemacht wie an anderen
Stellen, wo zwei Wälle zusammentrafen, dass man sie selbständig
neben einander herlaufen Hess: der grosse Erdwall setzt sich geradezu
an Stelle des kleineren und lässt diesen völlig verschwinden, indem
er ihn in seine eigenen weiten Gewänder mit aufnimmt. Der kleine
Wall hat auf der letzten Strecke sein gewöhnliches Aussehen ge-
habt, etwa wie in Profil 1, fortan bildet er den Grundstock für den
Hauptarm der neuen Linie. An mehreren Stellen sind noch Streifen
sichtbar, welche die Grenze zwischen dem alten Bestandtheil und
der jungen Aufschüttung anzeigen. Das höhere Alter des kleinen
Erdwalls wird durch diese Umwandlung ausser Zweifel gestellt.

In derselben Senkung, in der diese Vereinigung vor sich geht,
liegt ein Lager hinter dem neuen Wall (29), acht Minuten weiter
auf der Höhe wieder eines (30), beide mit den gewöhnlichen breiten
Erdwällen. Das zweite wird von der Chaussee durchschnitten, welche
diesem und weiter östlich dem kleinen Erdwall folgt. Auf der Höhe
findet eine Biegung nach NNW. statt, links liegen mehrere Wind-
mühlen und 15 Minuten später erreicht der Wall, nicht in der weiten
Bucht, wie die österreichische Generalkarte meint, sondern auf"dem
nördlich davon liegenden Hügelrücken die Donau.
loading ...