Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 105
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Begehung bekommen wir Ausschluss über das Material, das einst
hier verborgen, und die Art, wie es verwandt war.

Zwanzig Minuten vom Meere liegt südlich am Walle ein
Lager (II), dessen Innenraum von O. nach W. 266 M., von S. nach N.
184 M. misst. Die Umringung, wie auch die Fläche selbst, ist viel-
fach durchwühlt, Steine und Ziegelstücke liegen überall umher, und
an der Südseite fand ich zwei grosse Marmorkapitelle von etwa
70 Ctm. Horizontaldurchmesser. Beide waren mit Blattornamenten
verziert; die des einen zeigten ziemlich sorgfältige Meisselung, die
des anderen auffällig viel Bohrerarbeit. An derselben Seite lagen
noch zwei ungefähr meterlange Säulenstämme, der eine glatt, der
andere mit einigen Längsstreifen versehen, und schliesslich mehrere
grosse Quaderblöcke aus Muschelkalk. Einen Ziegelstempel zu
finden, wollte mir trotz allen Suchens nicht gelingen. Die Lager-
wälle müssen hoch gewesen sein, denn die durch die Grabungen
auseinander geworfene Erde nahm eine ziemliche Breite ein. An der
Westseite zieht sich ein Fahrweg hin, der auch den Wall durch-
sch neidet.

Zehn Minuten von hier kommen wir an den Punkt, wo der
kleine Erdwall von N. nach S. herübergeht, und 20 Minuten weiter
trennt sich der Steinwall vom grossen Erdwall, um in westsüdwest-
licher Richtung ein Stück Hochebene zu überschreiten. Auf diesem
Wege folgte ich ihm im Januar zum ersten Male.

Von der Abzweigung des grossen Erdwalls bis zum Bahn-
durchschnitt ritt ich (Schritt) 25 Minuten; es sind also etwa 2 Kilom.
Auf der Mitte dieser Strecke, SJ/a Kilom. von II entfernt, liegt ein
Lager (III) mit doppelter Umwallung, dessen Nordseite, durch den
Steinwall selbst gebildet, 210 M. lang ist. Der innere Ring ist aufge-
wühlt, muss also begehrenswerthes Material enthalten haben; es stand
demnach wohl auf diesem die Mauer und der äussere war ein Vorwall.

Etwa 3 Kilom. weiter, auf der Höhe, findet sich wieder ein
Lager (IV) mit einfachen Wällen und 165 M. Länge. Dann folgt
bis hinter Hasangea keine Befestigung mehr.

Auf diesem ganzen Zuge aber kann man, wie sonst nirgend,
einen Einblick bekommen in die ursprüngliche Bauart des Walles.
Hier auf der abgelegenen Höhe ist die Ausbeutung noch nicht bis
zum letzten Punkte vorgeschritten, sondern befindet sich gerade in
einem für uns sehr lehrreichen Stadium: der Wall ist überall auf-
gegraben , aber in den Gruben und daneben am Boden sieht man
noch die Steine der Fortschaffung harren. Es sind Blöcke von
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