Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 111
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Die Stadt Küstenge (Tomi) ist, wie man sieht, nicht in das
durch die Wälle geschützte Gebiet miteinbezogen. Für sie findet
sich eine besondere Umringung in Gestalt eines 1 M. tiefen Grabens
und eben so hohen Walles, der gleich hinter der Stadt die Land-
zunge abschneidet. Die Anlage scheint von Moltke und v. Vincke
für römisch gehalten zu sein, sie zeigt aber sonderbarer Weise gar
keinen Rasenbewuchs, sondern überall lockere Erde, und ist ausser-

dem so schmal (7 M. durch Wall und Graben), dass ich sie lieber
für türkisch ansehen möchte. Fig. 12 zeigt das Profil dieser eigen-
thümlichen Schutzwehr.

Um aber das Verhältniss, in dem die drei Grenz wälle zu ein-
ander stehen, klarer hervortreten zu lassen, seien ihre Haupteigen-
thümlichkeiten hier noch einmal kurz nebeneinander gestellt.

Der kleine Erdwall besteht aus einem einfachen, ll/2 M. hohen
und jetzt 15—18 M. breiten Erdaufwurf mit südlich davorliegen-
dem Graben. Auf seinem ganzen Zuge finden sich keine Lager,
sondern nur an gewissen Stellen Steintrümmer, die etwa auf Wacht-
häuser schliessen lassen.

Der grosse Erdwall zeigt in seinem ersten Theile eine 2—3 M.
hohe Erhebung mit einem tiefen Graben im Norden, einem flacheren
im Süden und gelegentlich einer schwachen Bodenerhebung jenseits
beider Gräben. Sein zweites Stück, vom See bis zur Donau, hat
diese letzten Erhebungen noch zu besonderen Wällen ausgebildet
und weist somit eine dreifache Linie auf, die in ihrem mittleren
Grat eine Höhe von 4—5 M. (über der Grabensohle) erreicht. Am
grossen Erdwall findet sich durchschnittlich auf alle 850 M. ein
Lager von einfachen Erdwällen und gewöhnlich 120 : 135 M. Fläche.

Der Steinwall endlich hat hinter seinem Graben heute nur
eine 1 — \1/q M. hohe Erderhebung, die den eifrig nachgrabenden
Anwohnern grosse Quadersteine geliefert hat und früher wahrschein-
lich eine Mauer trug. Seine Befestigung bilden auf alle 2—3 Kilom.
Lager von starker, oft zwei- und dreifacher Umwallung und ver-
schiedenem, aber den der Erdwallager stets übertreffenden Flächen-
inhalte.

Fig. 12.
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