Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 145
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I

Der Meister, der zu Amyklä den Thron geschaffen hat, in
dem das alte Apollobild stand, ist trotz seines stolzen Namens für
die moderne und, fügen wir es nur gleich hinzu, auch für die antike
Geschichtschreibung der griechischen Kunst von geringem Interesse
gewesen. Er ist ganz hinter dieses sein Hauptwerk (wie wir ver-
muthen müssen) zurückgetreten und Pausanias, der demselben eine
lange, aber freilich etwas geschäftsmässige Beschreibung gewidmet
hat, verweigert über die Persönlichkeit des Künstlers ausdrücklich
jede Auskunft. Andere Zeugnisse aber hat man, so viel ich sehe,
bisher nicht auftreiben können und sich daher begnügt, den schönen
Namen mit dem erhaltenen Ethnikon und der üblichen runden
Olympiadenzahl in das Verzeichniss der griechischen Künstler ein-
zutragen und im übrigen den amykläischen Thron zu restauriren,
so weit und so gut es eben gehen wollte. Die Aufgabe, die ich
mir in dieser Untersuchung gestellt habe, ist nun die, jenes schwie-
rige Problem einer erneuten Betrachtung zu unterziehen, dann aber
auch der kunstgeschichtlichen Stellung des Meisters selbst genauer
nachzuforschen. Es muss doch endlich an der Zeit sein, den Bann
zu lösen, der ihn zwingt, mit seinen Genossen fortwährend auf dem
Throne herum zu tanzen, den er schuf.

Wenn wir uns zunächst bezüglich des ersten Theiles unserer
Aufgabe an unseren Periegeten wenden, so scheint es, als ob
er gleich auf die allererste Frage, die wir an ihn zu richten
haben, die nach dem Material des Werkes, keine Antwort geben
wollte. Er erwähnt wohl nebenbei, dass das Apollobild selbst aus
Erz gewesen sei, wie, dass eine Thüre in der Basis aus gleichem
Stoffe war, aber über den Thron selbst fehlt es an einer solchen
Angabe. Da hat man sich denn aufs Rathen verlegt. So hat ihn
Rühl als Marmorarbeit reconstruirt, während Ot£ Müller an Toreutik
gedacht hat; gewiss mit Recht, doch schliessen jene Detaillirungen

Archäologisch-epigrapMscke Mitiii. IX. 10
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