Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 146
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gerade das Erz aus, auf welches wir sonst als das nächstliegende
toreutis.che Material verfallen müssten. Sie haben aber gar keinen
Sinn und auch bei ihm keine Analogie, wenn Pausanias nicht vor-
aussetzen durfte, dass das Ganze klar sei, und machen vielmehr
den Eindruck, dass er sich keiner Unterlassungssünde bewusst
wäre. Das ist auch in der That der Fall. Er hat die nöthige
Materialangabe gemacht, aber in einer Weise und in einem Zu-
sammenhange, der zu Missdeutungen Anlass gab.

Wenige Capitel vor der Beschreibung des amykläischen Apollo-
bildes (III 10, 10) , bei Erwähnung des Heiligthumes des Apollo
Pythaeus auf dem Berge Thornax, weist Pausanias auf den amy-
kläischen Apoll hin und fügt hinzu: AaKebamovioicj ydp eTTiqpavecTTepd
ecrri id ec; xöv 'AuukXcuov, werte Kai xöv xpucröv öv Kpoicrocj 6 Auböcj
tuj 'ArröMwvi eTreuijje tlu TTu9aeT, toutiu ec; köctjuov tou ev 'AuuKXaic;
KaTexp^cravio d^aXuaTocj. Die Annahme Otfried Müllers, man habe
mit Kroesos Golde dem Apolloidol das Gesicht überzogen, beruht
wohl nur auf einer falschen Erklärung der folgenden Worte des
Pausanias: öti ydp juf] TipöcruiTTOV auruj Kai Tröbecj eioiv dVpoi Kai
Xeipecj, xö Xoittöv x°^kw kiovi ecmv eiKacrjuevov, mit denen der Pe-
rieget, wie aus dem Zusammenhange deutlich hervorgeht, nur die
Gestalt desselben schildern will, und eine Betrachtung der Replik
auf den Münzen von Sparta erweist diese Schilderung als völlig
zutreffend1). Jener allzu bescheidenen Annahme Müllers liegt aber
die völlig berechtigte Anschauung zu Grunde, dass jene Gabe des
Kroesos als eine Naturalleistung und nicht, wie es moderner Weise
näher läge, etwa als eine zu bestimmtem Zweck zu verwendende
Goldsumme aufzufassen sei. Wir sind nicht genöthigt, durch eine
eingehende Betrachtung des wirthschaftlichen Standpunktes jener
Tage diese Auffassung zu verfechten, für welche die Stiftungen des
Kroesos überhaupt, namentlich aber die Säulen zum Artemision in
Ephesos die nächstliegenden Analogien bieten würden. Herodot
erzählt uns die Geschichte, die Pausanias andeutet, und eben darum
nur andeutet2).

Die Spartaner schicken nach Sardes, um dort Gold für ihr
Apollobild auf dem Berge Thornax einzukaufen, Krösos aber gibt
es ihnen als Geschenk. Warum aber nun die Spartaner auf dem
Thornax eine simple Copie ihres sehr simplen amykläischen Apolls

*) Gardner Typ es of Qreek coins Tf. XV 23.
a) I 89.
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