Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 147
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aufstellen und mit dem Golde für jenen diesem einen kostbaren
Thron errichten, dafür liesse sich kaum ein anderer Grund aus-
denken, als der Wunsch des Gottes selber. Freilich wäre es aber
auch möglich, dass die Geschichte von der ursprünglichen Bestim-
mung des Goldes ihre Entstehung der erstaunten Frage einer spä-
teren Generation verdankt, welche es sonderbar fand, dass das
kostbare Material nicht für das Götterbild, sondern für seinen
Thron aufgewendet wurde, während doch ein solches Bedenken
jener früharchaischen Periode nicht gut in den Sinn kommen konnte.

Doch was es nur immer für eine Bewandtniss damit habe,
der goldene Thron des amykläischen Apolls ist an und für sich
keiner besonderen Erklärung bedürftig. Galten doch dem frommen
Glauben der Hellenen die Götter als xpucröGpovoi und dass man
sich ihre Hochsitze mit allem Zauber der Kunst geschmückt dachte,
dafür zeugt das Gebet der Sappho:

TTotKiXöGpov5 dedvax 'Aqppöörra.
Solche dichterische Vorstellungen wirken aber nicht auf die bildende
Kunst, sondern werden von ihr erwirkt. Goldene Throne waren
nicht allzuweit von der Heimat unseres Meisters und lange vor
ihm geschaffen worden.

Vom goldnen Baal auf goldnem Thron und all der Herrlich-
keit um ihn erzählt Herodot I 81 und wiederum I 14 vom Thron
des Midas, den er im korinthischen Thesauros zu Delphi als edvxa
dHioGenTov neben den sechs grossen goldenen Krateren des Gyges
erwähnt. Er hält ihn ohneweiters für den wirklichen Königsthron,
den Midas dem Gotte weihte, und dieser Name wie seine Umgebung
scheinen genügende Bürgschaft dafür zu bieten, dass wir ihn uns
nur aus purem Golde gebildet denken dürfen. Besonders nahe
aber liegt es, an den ganz goldenen Gnadenstuhl zu denken, den
Belzael nach Moses 2, 37, 6 für die Stiftshütte machte, dessen
goldüberkleidete Lade aus Föhrenholz uns wieder an die Kypsele
der Kypseliden mahnt. Die Zeugnisskraft dieser Beispiele reicht
jedoch nicht so weit aus, das Werk des hellenischen Meisters als
ein massiv goldenes zu erweisen, dazu sind sie doch zu barbarischer
Art. Aus dem Schatze unserer archaischen Monumente, wie dem
der literarisch bezeugten Parallelen, könnten wir, abgesehen von
anderen sich selbst aufdrängenden Erwägungen zur Ueberzeugung
gelangen, dass es nur ein goldenes Kleid war, was der Meister von
Magnesia über ein Gerüste zog, welches kaum anders als von Holz
gebildet gedacht werden kann.

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