Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 148
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Den Thron stützten auf allen vier Seiten je zwei Gestalten.
Vorn und rückwärts fungirte je eine Charis und eine Höre als
Karyatide, links trugen Echidna und Typhos, rechts Tritonen den
Aufbau. Diese Dreizahl von Gestaltungen ist bedeutsam, die Himm-
lischen weisen nach oben, die Schlangenfüssler nach altem künst-
lerischen Sprachgebrauch zur Erde , während die fischleibigen Tri-
tonen auf das Meer hindeuten.

'Ev uev jaiav eieuE*, ev b5 oupavöv, ev öe GdXaaaav.

Eine neue Fassung des alten Gedankens, dessen verschiedene Aus-
drucksweise wir im homerischen Achillesschild wie auf Vettersfelder
Schildzeichen bewundert haben. Es gibt zu denken, dass die
antike Kunst gleich in ihren ersten Tagen die Idee des Kosmos in
so deutlichen Zügen auf ihre Fahne schreibt und unter diesem
ihren Zeichen wollen wir nun zuversichtlich an die wirre Fülle von
Einzeldarstellungen herangehen, die uns Pausanias von diesem Werke
herabgelesen 3).

Wir wollen uns aber doch erst an den kleineren Theil der
Aufgabe machen und treten daher mit dem Periegeten zwischen
den Tritonen in das Gestühl.

Es sind vierzehn Bilder, die da dem Beschauer entgegen-
blinkten, ich zähle sie zunächst einfach auf:

1. Kalydonische Eberjagd 5. Herakles würgt den nemei-

2. Herakles tödtet die Aktoriden sehen Löwen

3. Die Boreaden verjagen die Har- 6. Apoll und Artemis schiessen

pyen Tityos

4. Theseus und Peirithoos rauben 7. Herakles und der Kentaur

Helena Oreios

3) Das alte Demeterbild von Phigalia ist schon darum nicht apokryph, weil
der kosmische Gedanke daran in aller Schärfe zu Tage tritt. Die Taube und der
Fisch in den Händen, die Schlangen und das übrige Gethier um das Haupt be-
zeichnen wieder die drei Elemente. Mit einer Sintfluth und Noah, wie Ccnze will,
hat das nichts zu thun. Ueber die Typik vergleiche ausser dem von Milehhöfer
Anfänge der Kunst in Griechenland S. 60 vorgebrachten, die Medusa der rhodischen
Schale Journ. of hell. stud. 1884 Tf. 43. Noch eines solchen Kunstwerkes will ich
hier erwähnen, weil es den alten Satz von der Ausnahme, die die Kegel bestätigt,
neu erweist. Demetrios Poliorketes liess sich nach Plutarch 41 eine Chlamys machen,
die unser Gewährsmann ein epYOV uirepr](pavov, eiKaa]ua toü köo"|Uou Kai xu)v Kar
oupavöv qpaivojuevujv beschreibt. Demetrios ist auch hier eine Copie Alexanders
des Grossen und sein Kock eine solche von dessen Kocke. Alexander schlug seine
Schlachten in einem uralten cyprischen Mantel des Meisters Akesas von Salamis.
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