Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 161
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Auch bezüglich dieser kann es meines Erachtens gar nicht
zweifelhaft sein, welcher der Scenen die Langseite einzuräumen
sei. Die Ansprüche von V, sind unbestritten, für VI7 genügt es,
statt auf die bisher herangezogenen Geryoniebilder, auf Mon. d.
Inst, V 25, Annali 1851 tv. d'agg. A zu verweisen.

Der Vollständigkeit wegen haben wir auch auf den Bild-
schmuck der Basis der Apollostatue einzugehen. Sie hatte nach
der Angabe des Pausanias die Gestalt eines Altars, der zugleich
als das Grab des Hyakinthos galt, und an dessen linker Seite eine
eherne Thür angebracht war10). Ringsherum zog sich eine Reihe
von Figuren. Es werden aufgezählt: Iris, Amphitrite und Poseidon,
Zeus im Gespräch mit Hermes, daneben Dionysos, Semele und Ino,
dann Demeter, Kore, Pluton, dann die Moiren und Hören, Aphro-
dite, Athena und Artemis, die Hyakinthos und seine Schwester
Polyboia in den Himmel einführen; ferner war auch die Himmel-
fahrt des Herakles unter der Assistenz Athenas und der anderen
Götter zu sehen. Schliesslich werden noch erwähnt die Tochter
des Thestios, die Musen und Hören.

Ueber die Anordnung dieser Figuren hat Trendelenburg Ball.
1871 S. 124 ausführlich gehandelt. Seine Auseinandersetzungen
haben, so weit ich sehe, allgemeine Zustimmung gefunden. Die
Grundzüge derselben sind folgende: Es waren drei Aufnahmen in
den Olymp dargestellt, indem die ersten acht Figuren die Erhebung
des Dionysos zum Range eines Olympiers ausdrücken sollen. Diesen
drei einander innerlich verwandten Scenen waren drei Seiten der
Basis eingeräumt, die vierte enthielt die drei Thestiaden und die
neun Musen11). Ferner wird die Anzahl der Figuren jeder Seite
auf zwölf bestimmt, mit Ausnahme der zuerst erwähnten, wo die
Thüre den Raum von vier Personen für sich in Anspruch nimmt.
Gegen diese Hypothese lassen sich eine Reihe von Einwendungen
erheben, von denen ich nur die augenfälligsten zur Sprache zu
bringen mir gestatten möchte. Warum soll denn die Thüre gerade
den symmetrischen Ausbau der Götterversammlung, die doch die
Hauptseite einzunehmen hatte, stören, zumal ihr Pausanias den Platz

10) Vergl. Paus. II 22, 2: fTepav be xoü xdcpou \a\Kewv eöxiv ou uefa,
dvexei oe auxö dYdXuaxa dpxaia 'Apxejiibcx; Kai Aiöc; Kai 5A0r)vä<;, und 4: exe-
poi<; be eaxiv eipnf^evov öaxa ev xuj xa^KeiuJ KeiaOat TavxdXou.

11) Die Hören, die ihnen folgen, sind von Siebeiis als gedankenlose Wieder-
holung des Abschreibers, der vorher MoTpai xe Kai *ßpat las, verdächtigt worden.

Arcliäologisch-epigrapkische Mitth. IX. 11
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