Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 162
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auf der linken anweist, was auf eine Nebenseite zu deuten scheint.
Ungeschickter konnte sie nirgends zu stehen kommen, während es
sehr nahe lag, sie so anzubringen, dass sie statt zu stören unter-
stützend in die Handlung eingriff. Liess sie der Meister als Aus-
gangspunkt des Zuges, der Hyakinthos in den Olymp führt, er-
kennen, so kam sie ihm ganz trefflich zu statten. Wäre ferner die
Zahl der Figuren deutlich überliefert, so würde ihre so schematisch
gleichmässige Vertheilung noch immer nicht unbedenklich sein. Ich
kenne wenigstens kein Beispiel dafür, welches die Figuren in der
archaischen Kunst etwa den Silben der gebundenen Rede gleich-
stellen möchte. Ihre Symmetrie ist anderer Art. Aber wie erhält
denn Trendelenburg seine dreimal zwölf Figuren? Die neun Musen
und die Thestiaden , wenn man diese, was ich vorläufig zugeben
will, mit drei ansetzt, geben allerdings so viel» und der Hören kann
man sich ja mit Siebeiis entledigen. Aber was die zwölf Figuren
Unter einander anfangen sollen, kann man sich kaum denken. .Tren-
delenburg deutet auf eine Todtenklage um Hyakinthos nach Art
der der Nereiden um Achill, als ob dieser Fall in irgend einer
Weise vor den üblichen Todtenklagen heransragte und so als
Analogon zu der zu construirenden dienen könnte. Die Tanten
Achills thun nicht mehr für ihn, als sonst Tanten für einen ver-
storbenen Neffen zu thun pflegen. Dass die Thestiaden, Musen
und Hören hier, den Moiren und Hören der Hyakinthosscene ent-
sprechend, zu Herakles' Einzug gehören, ist doch von vornherein
zu wahrscheinlich, als dass es ernstlich hätte bestritten werden
sollen. Die Heraklesscene wächst dadurch freilich sofort über das
vorgeschriebene Maass. Der Hyakinthoszug soll nur zwei Moiren
und ebensoviel Hören enthalten dürfen, während die Klitiasvase
bekanntlich vier Moiren und drei Hören enthält, dafür dürfen aber
auch Demeter, Kore und Pluton mit, die in der Götterversammlung
nicht Platz haben, somit wären ja elf, die Thüre aber kann vier
suppliren. Und warum diese Götterversammlung die Aufnahme des
Dionysos bedeuten soll, kann ich am wenigsten begreifen, Daraus,
dass der bakchische Kreis mit drei Personen ganz in gleicher Weise
wie die Meer- und die Unterweltsmächte in derselben vertreten ist,
folgt doch nur das hohe Ansehen des Gottes im Lakonischen, das
ja gut bezeugt ist. Auffällig bleibt nur, dass Zeus mit Hermes
allen übrigen je zu drei gruppirten Göttern nachsteht und das
Fehlen der Hera besonders betont zu sein scheint. Auch was Zeus
und Hermes mit einander sprechen, wüssten wir gerne, und der
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