Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 164
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Einzug in den Olymp, sondern seine Hochzeit mit Hebe dargestellt
war, die Musen haben hier nur so einen guten Sinn und die „an-
deren Götter" auch. Ihre Kraftprobe wird diese Hypothese da-
durch ablegen, dass sie die vorgefundenen Schwierigkeiten zu be-
wältigen haben wird. Die Abwesenheit der Hera auf der Haupt-
seite erklärt sie sofort. Die Brautmutter hat im Zuge ihren Platz
und Hebe's Fehlen merken wir erst jetzt, obgleich die anderen drei
Götterpaarc je eine rangniedrigere weibliche Gottheit und nur Zeus
eine männliche Bedienung hat. Das Gespräch mit Hermes bezieht
sich auf dessen Obliegenheit; er übernimmt das Amt, das bisher
Hebe verwaltet hat. Auch Sappho hatte seiner in der Schilderung
der himmlischen Hochzeit nicht vergessen.

Aber die Töchter des Thestios? Wer sie immer sein mögen,
sie müssen in die Versammlung der Musen und Hören hineinpassen
und etwas ähnliches sein. Die, von denen die Mythologien alter
und neuer Zeit sprechen, waren es keinesfalls, und wenn ich Tren-
delenburg die drei Thestiaden nachgesprochen habe, so habe ich
an Leda, Althaea und Hypermnestra nicht gedacht, sondern an
einen Dreiverein im früher erwähnten Sinn. Denn wenn sich auch
diese drei Namen bei Apollodor I 7, 8 zusammenfinden, so bilden
sie darum doch mythisch keine Einheit und ein Zusammenhang
mit Herakles ist vollkommen unerfindlich. Dagegen treten die
fünfzig Töchter des Thestios, die Apollodor II 7, 8 zum Unter-
schiede gegen die des Thespios namentlich anführt, als solche auf,
und ihre intimen Beziehungen zu Herakles, dem sie Anlass zum
dreizehnten Athlos geben, sind weiteren Kreisen durch Göthe's Götter
Helden und Wieland bekannt genug Selbstverständlich bleiben
auch diese hier völlig ausgeschlossen und so sind wir denn genöthigt,
die Existenz des Thestiaden auf dem amykläischen Thron kurzweg
zu läugnen. Die Annahme einer Corruptel im Texte werden wir
füglich abweisen, denn der Abschreiber, der gefehlt hat, ist offenbar
Pausanias selbst.

Das hier einzuschlagende Verfahren der Monumentalconjectur,
wenn das Wort gestattet ist, haben wir an den Thronreliefs mehr-
fach mit vollem Erfolge angewendet. Was wir an der Stelle der
Töchter des Thestios hier erwarten müssen, das habe ich bereits

n) Vergl. Paus. 9, 27, 6; Herodotos bei Athenäus XIII 556 als Thespiaden;
Apoll. 2, 4, 10; Diodor 4, 29 und Hygin. fab. 162, der nur zwölf Thespiaden-

söhne kennt.
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