Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 167
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haltong der Kechten die Ergänzung eines Speeres ermöglicht. Die
Inschrift auf dem von Darius errichteten Grab gibt uns zugleich
die authentische Interpretation des Thrones als solchen und eine
Erklärung der Figuren auf und neben demselben. Nur die ersteren
interessiren uns hier, die darauf bezügliche Stelle lautet: „Und
wenn du also sprichst: wie vielfach (?) waren diese Länder, deren
Gesammtheit der König Darius regierte, so blicke an meines Thrones
Träger, da wirst du sie erkennen (?), (so) alsdann wird dir be-
kannt werden (?), dass des persischen Mannes Lanze fernhin
gedrungen ist"15).

Diese Thronträger sind auch aus einem anderen Grunde der
Betrachtung werth. Sie rufen uns den Chor des Bathykles mit
seinen Genossen in Erinnerung, den wir nach diesem Vorbild als
thronstützend reconstruiren könnten. Wenn ich darauf verzichtet
habe, so muss ich doch kurz die Gründe dagegen anführen. Es
schien mir bedenklich, nur das oberste Stück des Rahmenwerkes
zu stützen, und dann liegen doch andere Analogien hier näher.
Doch wie dem immer sei, es bleiben noch weit wichtigere Ver-
gleichspunkte. Die persischen Reliefs geben erst einen verständ-
lichen Sinn, wenn ihr Uebereinander in ein Nacheinander verwandelt
wird, das, weil es plastisch undarstellbar war, so zum Ausdruck
gebracht werden musste. Dann steht der Thron im Innern des
Palastes und der König im Thron, dessen Ausdehnung die Be-
zeichnung Gestühl rechtfertigen würde. Wie er in demselben sitzt,
darüber geben, ebenso gelesen, zwei Pfeilerreliefs der Hundert-
säulenhalle Auskunft, die ihn auf einem Sessel zeigen, der auf dem
Throne steht, also in denselben hineinzudenken ist. Bezüglich des
altarförmigen Grabes bedarf es kaum des Hinweises auf das soge-
nannte Kyrosgrab zu Murgab 1G). Wenn in später Zeit Altar und
Sarkophag einander oft gar so ähnlich sehen, so kommt darin nur
die ursprüngliche Identität von Grab und Altar zum Ausdruck, die
wir hier nicht weiter verfolgen wollen, als um daran zu erinnern,

15) Bezokl Die Achaemenideninschriften S. 35. Die Uebersetzung bei Spiegel
Die altpersischen Keilinschriften (2. Aufl.) S. 57 und bei Oppert Les inscriptions
des Ache'me'nides geben keine erwähnenswerthen Varianten.

16) Wenn dasselbe bei Benndorf und Niemann Reisen in Lykien und Karien
S. 109 kurz als „Tempelbau von Murgab" angeführt wird, so bezieht sich das nur
auf die Gestalt, denn Tempel kannten ja die Perser nicht.
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