Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 170
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Genossenschaar herbeizog* nicht zum Vorbild gedient haben, und
wenn die Dädaliden gerade in Sparta eine blühende Kunstschule
aus der Ferne ins Leben riefen, so wird auch die Thätigkeit der
grossen jonischen Meister an Ort und Stelle an den lakedaimoni-
schen Techniten nicht ganz spurlos vorübergegangen sein. Für
die kunstgeschichtliche Stellung der Reliefe des Gitiadas ist das Bild
der Ausrüstung des Perseus durch die Nymphen besonders lehr-
reich, als das einzige, das wir uns genauer vergegenwärtigen können.
Es ist bekanntlich eine chalkidische Vase, welche denselben
Typus wiederholt.

Aber Dorier ist Gitiadas doch geblieben. Die Art, wie er das
Uebernommene umgedichtet hat, weist wieder deutlich in die Rich-
tung der Kypsele hin. Wir haben, als wir von jener handelten,
seiner als eines bezeugten Vertreters jener alten anfänglichen Per-
sonalunion von Poesie und Bildkunst gedacht, jetzt dürfen wir noch
hinzufügen, dass sein grosses Reliefwerk im Athenatempel nur ein
monumentales Gegenstück seines üuvoc; ec; Trjv 9edv, von dem uns
Pausanias berichtet, gewesen sein kann.

Die Darstellung der Geburt der Göttin spricht für sich allein
schon dafür, dass der figürliche Schmuck zur Person der Gottheit
hier in einem ganz anderen Verhältnisse stand, als am amykläischen
Throne, und die Thaten der Heroen, vor allem des Herakles und
Perseus, widerstreben einem solchen Bezug um so weniger, als sie
ja nur unmittelbare Thaten jener selbst, mittelbar aber Athenas
Werke sind. Und wie ein solcher Zusammenhang bei dem Bilde
von Heras Lösung denkbar wäre, das zeigt uns wiederum die
Klitiasvase, die mit bewundernswerther poetischer Kraft den Triumph
Athenas über die Niederlage des verhassten Ares schildert. Mehr
als solche Andeutungen zu geben, lässt der trümmerhafte Zustand
der Ueberlieferung nicht zu. Ebenso sehr wie da, müssen wir das
Schweigen des Pausanias über zwei Werke beklagen, über die mehr
zu vernehmen für den ganzen Complex von Fragen, die uns hier
beschäftigen, von besonderer Wichtigkeit wäre. Ich meine die
beiden ehernen Thalamoi, die Myron und der Demos der Sikyonier
in ihrem Thesauros zu Olympia aufgestellt haben. Ihre sichere
Datirung nach dem Wagensiege des Tyrannen in der 33. Olympiade
und die bestimmte Angabe, dass der eine dorischer, der andere
jonischer Arbeit war, geben diesen Thalamoi Anspruch auf be-
sondere Bedeutung. Pausanias hat uns aus dem Epigramm, das
der kleinere trug, das Erzgewicht und die Stifter genannt, sons^
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