Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 171
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beschäftigt ihn noch die Angabe der elischen Localperiegetik, ob
das Erz wirkliches tartessisches sei.

Der Wortlaut des Epigramms hat aber in dem Stile der Be-
richterstattung deutliche Spuren hinterlassen. Der Ausdruck GdXauoq
für ein Geräth ist poetischer und nicht periegetischer Sprach-
gebrauch und die Nichtbeachtung der Herkunft desselben hat dazu
geführt, dass man in Olympia lange vergeblich nach den zwei
Zimmern des Schatzhauses der Sikyonier gesucht hat18). Die An-
gabe des Baustiles hat diese nun glücklich beseitigte Auffassung
wesentlich unterstützt, man vergleiche nur z. B. die bezügliche
Darstellung in Curtius griechischer Geschichte, während sie jetzt
geradezu befremden muss. Bei Pausanias, der nur sehr selten für
Tempel, wo wir sie doch fordern dürften, solche Angaben macht,
steht sie völlig vereinzelt da. Soll man ihm denn wirklich zutrauen,
dass er, die kunsthistorische Bedeutung der Thatsache wie durch
höhere Eingebung erkennend, sich gedrungen fühlt von ihr Zeug-
niss zu geben? So viel ich sehe, gibt es auch eine andere ein-
fachere Erklärung dieser überraschenden Thatsache, sie hat aber
den grossen Nachtheil, dass sie dem kunstgeschichtlichen Werthe
der beiden Thalamoi wesentlichen Eintrag thut. Wir gelangen zu
ihr auf einem kleinen Umweg, indem wir uns zuerst die Vorfrage
stellen, warum denn anlässlich des einen Sieges zwei Thalamoi
gestiftet wurden. Ein Stück der Antwort gibt uns Pausanias. Es
waren ja auch zwei Stifter, der Tyrann von Sikyon und der Demos
der Sikyonier, und hinter diesem Dualismus blickt die Stammes-
verschiedenheit beider deutlich hervor. Die Orthagoriden und mit
ihnen der Stamm der herrschenden Aegialen waren Ionier, der
übrige Demos Dorier. Der eine Thalamos war also dorischen,
der andere jonischen Ursprungs, und fand dieser Umstand im De-
dicationsgedicht, wie wir kaum zweifeln können,, seinen Ausdruck,
dann hatte Pausanias billige Gelegenheit eine Dummheit zu machen.
Soll er sie unbenützt gelassen haben? Mich kostet es weit weniger
Ueberwindung eine solche anzunehmen, als zu glauben, dorischer
und jonischer Stil seien um 648 an Werken der Tektonik als ge-
messener Ausdruck nationaler Eigenart gebräuchlich gewesen, wo-

18) Ich habe während einest flüchtigen Besuches des olympischen Ausgra-
bungsfeldes im Jahre 1880 Gelegenheit genommen, den Leitern der Expedition
diese meine Anschauung auszusprechen. Die Fundthatsachen und der officielle
Bericht haben mir später schweigend Recht gegeben.
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