Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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wieder. Die zwei zusammengewachsenen Söhne des Aktor hier
zeugen dafür, dass der so sehr für den Dorismus reclamirte drei-
leibige Geryoneus mit seiner Wurzel in gemeinsamem Boden ruht.
Ein typischer Zusammenhang der Hochzeit der Harmonia am Throne
mit der Peleus- und Thetishochzeit der Kypsele steht von vorn-
herein fest.

Ich breche hier ab, so verlockend es auch wäre, den Faden
weiterzuspinnen und den Gang durch dies Labyrinth fortzusetzen,
um mich nach dem Ausgangspunkte zurück zu wenden.

II

Der zweite Theil der Aufgabe, welche die vorliegende Studie
sich gestellt hat, besteht in dem Versuche, unser Wissen über die
Person des Meisters von Magnesia zu erweitern. Der Thronbau
zu Amyklä allein bietet eine volle Rechtfertigung des stolzen
Namens, dessen Klang die ganze hellenische Welt erfüllte, und
lässt das Selbstgefühl begreiflich erscheinen, mit welchem er von
sich zeugte. Ausser seinem schon besprochenen Selbstporträt im
Choros kommen noch die Werke in Betracht, von denen Pausanias
sagt, sie seien dvaörijuotTa eir5 eHeipYoicTjuevLy tuj Gpövuj gewesen, die
Statuen der Chariten und der Artemis Leukophrync, deren Bild
sich bekanntlich auf den Münzen von Magnesia am Mäander wieder-
findet. Man kann diesen Ausdruck ebensogut auf den Choros mit
anwenden und diese Reihe von Kunstwerken spricht dann eine
ebenso deutliche Sprache, als die Thronstützen. Es wäre nicht
allzuschwer, das monumentale Epigramm in ein litterarisches auf-
zulösen , in welchem der Name des Meisters , seine Heimat, seine
Genossen und die Hülfe der Chariten in ein zierliches Versepaar
archaischer Art eingeschlossen sein müssten. Dass es der Meister
selbst unterliess, ein solches zu machen, beweist nur wiederum,
dass die Troincric; nicht von allem Anfang reine Poesie gewesen ist.

Ich will nur noch nebenbei hervorheben, dass wir keinen
Grund haben, die plastischen Arbeiten des Meisters auf jene Ana-
themata zu beschränken, und zwar schon darum nicht, weil wir
keinen Grund haben, ihm die Statue des amykläischen Apoll mit
Pausanias abzusprechen, dem sie neben dem Thronschmuck zu alt
und kunstlos für Bathykles erschien. Aber Pausanias, der der Er-
findung des Erzgusses durch die Samier Rhoikos und Theodoros so
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