Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 175
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grosse Künstler aus Magnesia bekannter geworden. Denn so sicher,
wie die qpidXn des Krösos dem Tioiripiov des Bathykles zum Ver-
wechseln ähnlich sah, war auch der Arkader dem Magneten, um
einen plinianischen Ausdruck zu gebrauchen, facie quoque indiscreta
similis. Die ursprüngliche Fassung der Bechersage blickt deutlich
genug durch alle ihre Carricaturen hindurch, eine hellenische Form
der Mähr vom König in Thüle. Der König in Thüle ist Krösos,
den goldenen Becher hinterliess ihm scheidend sein kunstreicher
Unterthan, und weil man später weder den Grund des Scheidens
noch den Zusammenhang mehr kannte, so Hess man diesen unbe-
quemen Mann einfach sterben. Aus der früher erwähnten Erzäh-
lung des Herodot aber lassen sich die ursprünglichen Umrisse
weiter ergänzen. Wenn die Spartaner für ihr Anathem das Gold
von Krösos geschenkt erhalten, wenn der Meister, der diesem Golde
die Form gibt, aus dem Reich, ja vom Hofe des Krösos nach
Sparta kommt? da liegt ja nichts näher, als anzunehmen, dass jene
spartanische Gesandtschaft zugleich mit dem Golde auch Bathykles
als ein gleich kostbares Geschenk des Königs nach Hause brachte.
Damit ist jener Moment gegeben, den die Sage brauchte, um ihren
Becher, dem sie das kostbarste Material und den grossen Künstler
freigebig verlieh, noch die letzte Weihe zu ertheilen, die ihn für
den Rundgang bei den sieben Weisen tauglich machte21).

Man hat schon früher Bathykles mit Krösos in Verbindung
gedacht und zwar einerseits auf Grund jenes Goldgeschenkes des
Krösos an die Spartaner und andererseits der Heimat des Künstlers.
Doch meinte man den Grund der Auswanderung unseres Meisters
in dem Sturze des lydischen Reiches suchen zu sollen. Gerade
dagegen spricht nun die Bechersage, welche auf einer anderen,
völlig mit der herodoteischen Ueberlieferung stimmenden Voraus-
setzung beruht. Wenn also demnach der Beginn der Thätigkeit

selbst erklärt sich aus den ökonomischen Verhältnissen dieser Zeit heraus, in der
das verarbeitete Edelmetall noch grossentheils die Rolle des gemünzten spielt.
Der Reichthum des Maiandrios von Samos, mit dem er in Sparta prunkt, besteht
gleichfalls in seiner Bechersammlung, Herod. III 148.

ii) Dieser letzte Zug ist freilich eine starke Abweichung von dem Schema
des Thulebechers, der gar keinen würdigen Erben finden kann — während das hier
nur bedeutende Schwierigkeiten hat — und deswegen ins Meer muss. Aber was für
einen Sinn hat denn die andere Version, dass das Ehrengeschenk aus dem Meere
heraufgeholt wird? Sie wird se-fort als ein anpassendes Fragment kenntlich, sobald
man diese nach ihrem Typus ergänzt.
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