Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 181
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im jonischen Aufstand zertörten Tempels sein. Dass er kein ge-
ringerer als der Vater des Rhoikos ist, der als 0i\ew bei Herodot
and als OiXouou bei Pausanias erscheint, dünkt mich kaum zweifel-
haft. Sein Buch über den Tempel von Priene wird aber die f] toö
veüb Troincric; gewesen sein.

An jene Fülle gewaltiger Tempelbauten, die das 6. Jahr-
hundert an der kleinasiatischen Küste hervorrief und die trotz alle-
dem , was über sie hinweggegangen war, noch in späte Tage als
mächtige Denkzeichen einer Vorzeit hineinragten, deren Grösse und
Kühnheit sie versinnlichten, schloss sich eine Literatur an, die als
Begleiterscheinung jenes grossen Phänomens unser volles Interesse
beanspruchen darf. Ihre Entstehung verdankt sie zunächst dem
praktischen Bedürfniss. Der Bauplan musste in allgemeinen Zügen
erst festgestellt werden, ehe das Werk begonnen ward. Er musste
sichergestellt werden, um allenfalls auch seinen Urheber überleben
zu können. Er vertrat zunächst die Rolle des Hülfsmodells und
wie in jener Epoche der Sphyrelatonplastik der Holzkern seine Rolle
nicht ausgespielt hatte, wenn seine Formen dem Erze aufgehämmert
waren, so hatte der Bauplan mit der Erfüllung seines nächsten
Zweckes seine Existenzberechtigung nicht verloren. Die Ueber-
lieferung bedurfte seiner, sie konnte ja den Monumentalbau selbst
nicht von Hand zu Hand weiter geben, und andererseits musste
der Meister, dem hier die Signatur versagt blieb, das Mittel der
Veröffentlichung ergreifen, um nicht hinter seinem Werk zu ver-
schwinden. Der Choros des Bathykles und was wir dabei mit be-
trachtet haben, konnte uns zeigen, wie empfänglich die alten Meister
gerade für solche Erwägung waren.

Als ein in der Hauptsache völlig mit jenen Tempeleditionen
Zusammenzuhaltendes möchte ich das Bild nennen, welches der
Samier Mandrokles ins Heraion zur Erinnerung an seine Ueber-
brückung des Bosporus geweiht und mit gar stolzen Versen ver-
sehen hatte. Dass dies ephemere Werk einer solchen Sicherung
mehr bedurfte, braucht dabei nicht übersehen zu werden. Der
Meieter war ein jüngerer Zeitgenosse des Theodoros. Sein Name
ruft vielleicht nicht auffällig die Erinnerung an einen anderen
sprichwörtlich berühmten hervor, der für die samische Metallindustrie
nicht gleichgültig ist25).

5S) Mandrobulos, der Entdecker der samischen Erzlager. Sein Weihge-
schenk für den Fund, ein goldener, ein silberner und ein eherner Widder, hatten
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