Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 183
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den spartanischen Zeus des Klearchos äussert, ohne zu wissen,
dass er in diesem Meister einen Nachfolger jener samischen Erz-
giesser vor sich hat28). Plinius hat die Nachricht von der Erfin-
dung wohl gehört, ihm fehlt aber der Glaube und er macht daher
lieber etwas ganz unsinniges daraus, dennoch hilft er dem Pausanias
aus der Noth, indem er das erzgegossene Selbstporträt des Theo-
doros erwähnt. Dies Selbstporträt, das wir uns kaum anders als
eine Kleinbronze denken werden, lehrt doch nur soviel, dass sie
den Erzguss neben der Sphyrelatontechnik, die doch immer noch
die führende Rolle spielte, bereits angewandt haben, aber gerade
dieses Nebeneinanderleben und Zusammenwirken der beiden Tech-
niken ist auf hellenischem Boden so alt, dass es kaum angeben
dürfte, es erst von Rhoikos und Theodoros an zu datiren.

Wie ganz anders ist die (Jibripou KoWncri^ als persönliche Er-
findung des Glaukos von Chios bezeugt. Herodot, der doch von
der Kunst des Theodoros eine hohe Vorstellung hat und trotzdem
von dieser epochemachenden That nichts weiss, sagt bezüglich des
Glaukos: Ö£ uouvo^ bf) Ttaviojv ävGpuÜTTUJV cribripou KÖMncriv e£eupe.
Man möchte bestimmt glauben, dass Glaukos durch ein Epigramm
im Stile derjenigen des Euergos und Kleoitas für die Erhaltung
seines sprichwörtlich gewordenen Ruhmes gesorgt habe. Worin
seine Erfindung bestand, wissen wir seit Michaelis Auseiander-
setzung Arch. Ztg. 1877 S. 156 genauer. Darnach kann sie nicht
mehr als Vorstufe zur Erzgusstechnik betrachtet werden, sondern
als ein vereinzelt' gebliebenes Verfahren, das den Erzguss sicherlich
eher voraussetzte als ihn vorbereitete. Es scheint jedoch, man hat
sich schon im Alterthum bezüglich der Bedeutung dieser TXauKOU
rexvn geirrt und dann nach den Erfindern der scheinbar jüngeren
Technik gefragt. Solche Fragen bleiben nie lange unbeantwortet
und über der Antwort wird der Chiote dann selbst zum Samier.

Gehen wir nun zur Aufzählung der dem Theodoros zuge-
schriebenen Werke über, so beginnen wir billig mit seinen Bauten.
Sein Antheil am Bau des samischen Heratempels ist sonderbarer
Weise direct gar nicht bezeugt und dennoch unzweifelhaft. Herodot
erwähnt Rhoikos ausdrücklich als den ersten Architekten des He-
raions ; dass sein Genosse sein Nachfolger war, geht aus der Notiz
des Vitruv, Theodoros habe über dieses Bauwerk geschrieben, klar
hervor. In eigentümlicher Weise hilft Plinius diesem Mangel ab:

*») III 17, 6.
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