Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 185
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mit jenem Labyrinth. Die Nennung des Heraions erwarten wir
hier, wie durfte es unter den Weltwundern neben dem ephesischen
Artemision fehlen ? Ich citire zur Erhärtung dieses Anspruches die
Worte, mit denen Herodot die Beschreibung des ägyptischen La-
byrinthes einleitet29): Ei ydp tic; t& e£ 'EMrjvuuv Teixed re Kai epYoiv
änobehv cruXXoficraiTo, eXdcrcrovo^ ttövou xe dv Kai ba-rrdvric; qpaveiri
edvia toö Xaßuph/9ou toutoit Kaiioi dHiöXoYÖq ye Kai 6 ev 'Ecpecriu
eö"ri vn.Ö£ Kai 6 ev Xautu und diesen letzteren nennt er bekanntlich
jueyicTTOc; Trdviuuv vn.ujv tujv n.ueic; ibuev. Herodot aber bekennt Plinius
im Index zum 36. Buche und daselbst 79 als einen seiner Autoren
und neben ihm Duris von Samos, auf den die baugeschichtliche
Fabel zurückgehen mag. Aber die Trümmer des Labyrinthes?
Sie zeugen am deutlichsten für unsere Auffassung. Wie hätten
diese, die doch nicht unbemerkt bleiben konnten, nicht Anlass
geben müssen, vom samischen Labyrinth mehr zu berichten, und
wir hören sonst nichts, als was wir bei Plinius fanden. Gegen das
Heraion zeugen sie aber nicht, das lehrt uns folgende Aussage des
Pausanias30): Auo be dXXou«; ev J|uma vaoüc; e-rreXaßev uttö TTepcruJV
KaTaKauGfjvai, töv xe ev Xauiu ifjc; "Hpac; Kai ev OwKaux Tfjc; 'A6nvä<;"
Gauua be öjuüj<; fjcrav Kai uttö toö raipöc; XeXuuacruevoi.

Das zweite Bauwerk, das wir als Schöpfung des Theodoros
noch zu erwähnen ' haben, ist die Skias in Sparta. Wir haben
bereits früher den Gesichtspunkt betont, von dem aus diese unser
Interesse in Anspruch nimmt, sie führt den Sohn des Telekles die
gleichen Wege, die wir Bathykles ziehen sahen. Wenn wir damit
und mit der nochmaligen Erwähnung seiner literarischen Bethätigung
von den Thaten des Architekten Theodoros Alles berichtet haben,
wras wir zuverlässig wissen, so dürfen wir doch auch hinzufügen,
dass wir uns der Lücke in unserem Wissen darum nicht minder
klar bewusst sind. Sie durch die Künstlersage auszufüllen, muss uns
verwehrt bleiben, aber in dem Bestreben dieser Sage, den Meister
zum Erfinder der Hauptstücke des Architekten - Werkzeuges zu
machen, ihm die Grundlegung jenes Artemisions zuzuschreiben, an
dem sie den jonischen Stil erstehen liess, können wir doch mehr
sehen als chronologische Harmlosigkeit. Dass er zum Heros der
altjonischen Kunst werden konnte, will doch auch etwas bedeuten.

59) II 148.
30; VII 5, 2.
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