Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 192
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Das Gebiet von Aperlai

Ein Beitrag zur historischen Topographie Lykiens

(Hierzu eine Kartenskizze Tafel V)

Der stadiasmus maris magni, in welchem der Kern der Be-
schreibung Kleinasiens nicht unter das erste Jahrh. vor Chr. herab-
zugehen scheint!), hat an der Südküste Lykiens, jenseits des La-
myros und des Isischen Thurmes, folgende Angaben (239 F. Müller):
coro 'AvbpiaKfjc; de; Xöunva crrabioi b' — 4 Stadien,
ötto Zourjvuuv e\q 'ATrepXac; cridbioi £ — 60 „
otTiö aKpaiinpiou eic; 'AvrlqpeWov crrdbioi v — 50 „
Diese Stelle kann aus zwei Gründen nicht in Ordnung sein: denn
einmal beträgt schon die directe Fahrt von Andriake nach Anti-
phellos, deren Lagen bei den heutigen Andraki und Andifilo un-
zweifelhaft sind, nicht 114 Stadien, sondern ungefähr 200; und dann
fehlt die nach dem System des Stadiasmus unumgängliche Entfer-
nungsangabe von Aperlai nach dem Akroterion, das einen beson-
deren Namen, den Müller vorauszusetzen scheint, ebensowenig ge-
habt zu haben braucht, wie so manche der heutigen Akrotiria2),
um so weniger, als es wirklich nach seiner Bildung und Lage als
südlichstes Lykiens ein Akroterion Kai &oxr\v ist.

C. Müller hat recht gethan, die Angabe einzuschieben:

OtTTO 5A7T€pXlJUV 67TI ÖKpÜUTr)piOV,

und er hat auch recht gethan, nur eine Angabe einzuschieben, da
die Anlage des Stadiasmus wohl das Ausfallen eines Postens be-
günstigte, aber das Ausfallen zweier auf einander folgender kaum
zuliess: das erstere kommt bekanntlich nicht selten, das letztere,
so viel ich sehe, nie vor. Müller, der das Akroterion ebenfalls für
den charakteristischen, weit ausladenden Tughburnu südöstlich von
Antiphellos hält, gibt der Fahrt von da bis Aperlai 50 Stadien, er
erhöht die unerhört kleine Angabe von A beim ersten Ours auf
TT = 80 und erhält so für die Fahrt von Andriake nach Antiphellos
die Gesammtsumme von 240 Stadien, eine durchaus erträgliche
Zahl. Somena hat Müller im Grunde des Hafens Tristomo ange-
setzt, Aperlai auf Grund einer Cockerellschen Inschrift, die Leake
citirt {Asia Minor S. 188), über der Assarbai; letzteres glaubt wohl

*) Geographi Oraeci Minores, ed. C. Müller, prolegomena S. CXXV.
') Z. B. auf Zante, Kephallenia, Kreta.
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