Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 195
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Lykien nicht vereinzelt da: zwar ist der Wortlaut der Inschrift von
Rhodiapolis, welche diese Stadt mit Gagae und Korydalla in gleicher
Weise vereinigt zeigen soll (Spratt und Forbes T. 183), leider nicht
bekannt geworden; doch finden sich im Limyrosthale zu Idebessos
zwei Inschriften an Sarkophagen, deren Inhaber 'AKCtXicrcreüc; öVrrd
'löeßntfcfoö genannt wird (Leb. 1333 f.); daneben aber kommt analog
den XiunveTc; auf einer Inschrift doch auch ein 'Ibeßricrcreuc;, auf einer
andern 'Ibeßncrcreaiv vor (Spratt und Forbes II S. 281). Es ist zu
bedauern, dass diese Inschriften nicht fixirbar sind; nur ist eine der
Grabschriften wegen der Schreibung Eiöeßncfcrou vielleicht für jünger
zu halten, als die übrigen. In der That ist es kaum denkbar, dass
beide Bezeichnungen zu gleicher Zeit und etwa promiscue gebraucht
wurden, denn die Anwendung des Ethnikons ist dem Zustande,
welchen die andere Ausdrucksweise in sich schliesst, durchaus ent-
gegengesetzt: diese bedeutet vielmehr einen Zusammenschluss der
Orte unter Entäusserung der politischen Rechte aller zu Gunsten
Eines unter ihnen, d. h. die übrigen werden zu Gauen. Es scheint
sich vorläufig in Erwägung der Schriftsteller, welche Somena, Si-
mena erwähnen und ihrer Quellen, die Annahme zu empfehlen, dass
der Zusammenschluss um Aperlai im ersten Jahrh. n. Chr.
stattfand; vielleicht darf man daran erinnern, dass Lykien im
Jahre 44 n. Chr. — definitiv freilich wohl erst im Jahre 74 (vgl. Mar-
quardt, Staatsv. I S.217) — römische Provinz wurde. Ob diese Vereine
überall von Dauer waren, darf man bezweifeln: Simena, Isinda
(= Sindia Steph. s. unten), Apollonia aber sind jedenfalls nicht
wieder zum Vorschein gekommen. Der eine Name Aperlai erscheint
bei Ptolemaios, bei Hierokles und in den Notitien, und das muss einem
thatsächlichen Verhältniss entsprochen haben, wie das auch umge-
kehrt der Fall sein muss, wenn uns Akalissos und Idebessos, Gagai,
Korydalla, Rhodiapolis wieder bei Hierokles und in den Notitien
begegnen. Bei Ptolemaios sind nur Korydalla und Rhodia (Rho-
diapolis) aufgeführt, nicht Gagai und auch nicht Idebessos, während
für sein XcrfaXacraöc; höchst wahrscheinlich 'AKaXicraöc; zu lesen ist.

Es wird sich unten zeigen, dass auch dieser Umweg nach
Simena führt, dessen Oertlichkeit von Andriake an zu suchen wir
uns nun anschicken. In der Westecke der Bucht von Andriake,
nicht weit vom Dorfe Kapaklü, bei welchem man schon Spratt
und Forbes Ruinen genannt hatte (I S. 85), haben die österreichi-
schen Reisenden das Glück gehabt, die Ruinen eines Ortes Istlada
zu finden und dabei an einem Sarkophag eine Grabschrift, die ich

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