Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

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Wälle und Chausseen im südlichen und

östlichen Dacien

(Hierzu die Karte auf Tafel VI) *)

Dass es mir möglich war, nach dem mehrfachen Besuche der
Dobrugea im Laufe dieses Jahres auch die Moldau und Walachei
noch in einer Weise zu bereisen, dass kaum zwei oder drei Distrikte
unberührt geblieben sind, verdanke ich in erster Linie der ausser-
ordentlichen Güte S. D. des Fürsten Alexander Bibesco, der mir
den Aufenthalt in seinem Hause zu dem denkbar freiesten und
freundschaftlichsten gestaltete und bei seinem eigenen hervorragenden
Interesse für die Wissenschaft alle meine derartigen Bestrebungen
auf das Wärmste begünstigte.

Sodann bin ich der rumänischen Regierung, speciell S. E. dem
Minister für Cultus und Unterricht, Dem. Sturdza, zu lebhaftem
Danke verpflichtet für den obrigkeitlichen Schutz und die Mitwir-
kung der Behörden, welche mir allerorten gesichert war.

I

Die Ergebnisse meiner Nachforschung bestehen besonders in
der Feststellung von bisher unbekannten Wall- und Chausseelinien.

Eine Besprechung mit Herrn Prof. Torma in Pest hatte mich
schon bei der Herreise nach Rumänien auf die Frage geführt,
ob die dacischen Grenzwälle, welche im Banat in dreifacher
Linie sichtbar sind; und \ deren Fortsetzung der genannte Ge-
lehrte am nordw. Rande Siebenbürgens von Tiho bis Kis Sebes
aufgefunden hatte, nicht auch im Osten der Provinz, durch die
Moldau hin noch vorhanden sein sollten. Lange blieben meine
Erkundigungen erfolglos, bis ich endlich im Frühling dieses Jahres
von dem Berlader Präfekten die Angabe erhielt, dass an seinem
Gute Nicoresci in der Nähe von Tekutsch ein Wall vorbeiziehe,
der noch in ziemlicher Höhe erhalten sei und von den Bauern all-
gemein Trojan genannt werde. Bei einem bald darauf vorgenommenen
Besuche jener Gegend konnte ich den Wall in der That feststellen
und auf eine weite Strecke hin verfolgen. Zu seiner Beschreibung

[*) In Folge eines Versehens haben die mit punktirten Linien angegebenen,
von dem Verfasser vorausgesetzten römischen Chausseen von Urlueni bis Campo-
lung und von ad Aquas bis gegen Craiova nicht dieselbe Farbe erhalten wie die
sicheren römischen Chausseen. A. d. R.]
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