Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 204
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Wall läuft 7 Min. lang (500 M.) deutlich sichtbar über ein Acker-
feld, bildet dann für eine gleiche Strecke die Westgrenze eines
viereckigen Weingartens, immer seine Richtung NNW z. W bei-
behaltend, und trifft nach weiteren 400 M. (10 Uhr 5 Min.) bei
einem Gehöft Visuresci ein, das von W her dicht an ihn heran-
tritt. Der Fahrweg, welcher bisher immer neben dem Graben ent-
lang lief, geht hier auf den Wall über und hat diesen bedeutend
abgeplattet. Weiterhin bildet der Wall wieder die Umfriedung eines
ostwärts sich ausdehnenden Gartens, wobei er 1 M. hoch bleibt
und mit Bäumen bestanden ist. Um 10 Uhr 15 Min. jedoch sahen
wir ihn beim Betreten ausgedehnter Ackerfelder völlig dem Boden
gleich gemacht. Nur an einzelnen Stellen waren kleine, mit ein
paar Büschen bestandene Häufchen übergeblieben, an denen man
die weitere Linie verfolgen konnte. Gegen das Ende des Feldes
hin zeigte sich , wenn auch leise, allmählich wieder eine fort-
laufende Schwellung des Bodens. In diesem Zustande zog der
Wall gleich darauf (10 Uhr 30 Min.) an einem westlich liegenden
Gehöft hin und 10 Min. später durch die Vorderpartie eines Wein-
berges. Das genannte Gehöft, neben welchem noch ein halb Dutzend
anderer Wohnungen sichtbar waren, bildete den Anfang des Dorfes
Tecucel. Der Wall hat hier eine rein nördliche Richtung genommen
und biegt gleich darauf (10 Uhr 50 Min.) noch weiter um nach
NNO z. N (10°). An diesem Punkte läuft er auch zum ersten
Male eine sanfte Neigung des Terrains hinab, der bisherige Weg
war durchaus eben. Seine Gestalt bleibt noch dieselbe, kaum er-
kennbare, da wir uns immer noch in Ackerfeldern befinden. Um
11 Uhr jedoch erreichten wir einen Waldesrand, und hier trat der
Wall sofort wieder in weit stärkerem Profile auf. Wir suchten ihm,
obgleich kein Weg mehr nebenherlief, noch weiter zu folgen, durch-
schritten nach 10 Min. eine etwa 10 M. tiefe, ziemlich breite Schlucht,
konnten aber jenseits derselben wegen des zum völligen Dickicht
werdenden Unterholzes nicht weiter vordringen und Hessen uns von
einem östlich abgehenden Fusswege in ein reizendes Waldthal führen,
in dem bis Uhr Mittagsrast gehalten wurde.

Nachher durchschritten wir das Holz nach verschiedenen Rich-
tungen, ohne jedoch eine Spur des Walles wiederfinden zu können.
Waldhüter sagten uns, dass derselbe hier überall nicht mehr zu
erkennen sei und erst vor dem Dorfe Tofla in einem Weinberge
wieder zu Tage komme. Dorthin uns wendend, konnten wir noch
mehrfach hören, dass im Walde jede Spur verschwunden sei,
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