Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 208
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auch zu bedenken, erstens, dass der Wall doch nicht mitten im
Felde aufgehört haben kann, und zweitens, dass die gerade Linie,
welche ich von dem Winkel bei Nicoresci bis hinter Matka fest-
gestellt habe, in ihrer Fortsetzung genau auf die von den Baleniern
angegebene Pruthstelle trifft.

Was sich etwa über den Ursprung und die Bestimmung dieses
Walles sagen lässt, soll weiter unten im Zusammenhang mit anderen
ähnlichen Erdwerken der hiesigen Gegenden erörtert werden.

II

Auf der Suche nach topographischem Material, das weitere
Nachforschungen fördern könnte, stiess ich in Bukarest auf das
Dossar einer grossen archäologischen Enquete, die im Jahre 1871
vom Cultusministerium veranlasst, jetzt in sieben starken Folio-
bänden in der Bibliothek der rumänischen Akademie aufbewahrt
wird. Die Berichte, von den Schullehrern aller Stadt- und Land-
gemeinden verfasst, sind oft recht kraus und unerfreulich aus-
gefallen, besonders wo sie in rasend machender Breite all die Thor-
heiten wiedergeben, die das Volk sich von dem oder jenem histori-
schen Beste erzählt. Aber die aus eigener Anschauung stammende
Beschreibung des Thatsächlichen, besonders was Wälle und Chaus-
seen betraf, machte sie mir werthvoll genug, um das Ganze ein-
mal einer genauen Durchsicht zu unterziehen. Eine solche war
nämlich noch nie vorgenommen. Nur zwei Distrikte, Romanatzi*)
westlich vom Unterlaufe der Aluta, und Dorohoi2), die oberste
Spitze der Moldau, hatte Alex. Odobescu, der Urheber der ganzen
Enquete, verarbeitet.

Vor Allem war es ein grosser, nach Cantemir's descriptio
Moldaviae (1716) und der moldauischen Chronik Miron Costin's
(1726), lang durch die ganze Walachei und noch ein Stück Moldau
ziehender Wall, über den ich ins Klare kommen wollte.

Ich halte es nicht für überflüssig, jene zwei schwer zugäng-
lichen Quellen, auf die, wie ich gesehen habe, die Angaben aller
späteren rumänischen Geschichtswerke und Wörterbücher zurück-
gehen, hier wiederzugeben, zumal sie einer Zeit angehören, in der
noch weit mehr vom Walle vorhanden sein konnte, als heutzutage.

*) Annal. societatei academice Romane X 2 (1877) p. 173—339.
2) Monitorul officio! al Romaniei 13/25. Juli 1871, Nr. 152.
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