Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 215
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dem Graben ausgehobene Erde nach beiden Seiten aufgeworfen
sein. An diesem Orte bin ich nicht gewesen. Dagegen habe ich
weiter östlich in der Gegend von Buzeu nach verschiedenen Rich-
tungen hin Ausflüge gemacht. Nach einer persönlichen Mittheilung
Herrn AI. Odobescu's sollte der Wall bei Petroasa, 20 Kilom.
westsüdwestlich von Buzeu vorbeiziehen. Ich ging hin, konnte aber
nur in Erfahrung bringen, dass in der Gegend weder Wall, Trojan
noch Schanze oder Brazda bekannt sei. Der Director des Buzeuer
Gymnasiums, Herr B. Jorgulescu, der den ganzen Distrikt Buzeu
auf Alterthümer durchreist hat, sprach mir dann von einem bei
Gura Nisehcovului (12 Kilom. nordwestl. von der Stadt) befind-
lichen und Tartarenschanze genannten Walle, derselbe sei indess
nur etwa 3 M. breit und ziemlich kurz24).

Ein sehr hoch erhaltenes und in mancher Beziehung interes-
santes Wallstück fand ich dann aber in Folge einer Notiz der
Enquete am Südufer des Buzeuflusses bei dem Dorfe Sutzesci25),
in der Mitte zwischen Buzeu und Braila. Der in seiner Haupt-
richtung nach NO fliessende Buzeu macht hier eine viereckige
Ausbiegung nach links (NW). Der hohe Rand des rechten Ufers
tritt in ebenfalls viereckiger Form in diese Bucht hinein, aber nicht
ganz bis an den Fluss vor, da dieser bei Ueberschwemmungen
offenbar viel von ihr weggefressen hat und sich daher in unmittel-
barer Nähe nur von seichtem Sande begrenzt sieht. Auf der Basis
nun jenes vorgestreckten Vierecks — das übrigens auf der österr. Gen.-
Karte26) durch eine feine Terrainlinie sehr getreu wiedergegeben ist -*
hat sich ein Wall erhalten, der in der ganzen Umgegend nicht mehr

Fig. 7

existiert. Er hat die Richtung NNO, ist genau 900 M. lang und
zeigt das in Fig. 7 dargestellte Profil. Der Aufwurf liegt im

24) Eine Notiz über dieses Wallstück findet sich in B. Jorgulescu's kleiner
„Geographie des Distrikts Buzeu" p. 84 und lautet in der Uebersetzung: „Tartaren-
schanze (Santu Tatarilor). Eine lange Schanze in der Gemeinde Gura Niscovului,
welche auf den waldigen Höhen von Mierea beginnt, herunterzieht, den Fluss
Niscov überschreitet und die gegenüberliegenden waldigen Hänge von Filiti hinauf-
steigt. Ihre Tiefe lässt sich wegen der Aufflössung nicht mehr feststellen; die
Breite beträgt 3 M."

25) B. E. Distr. Braila Fol. 264.
J6) Blatt P9 Galatz.
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