Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 216
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Westen, gegen den Fluss hin und erhebt sich auf 19 M. breiter
Basis 2*2 M. hoch über die Bodenlinie; auf ihn folgt ein 11*5 M.
breiter und 1*5 M. tiefer Graben, auf diesen sonderbarer Weise
noch eine 18 M. breite ebene Fläche, und der Abschluss der ganzen
Linie wird durch einen Graben bewirkt, der meist zwar sehr ver-
wischt, an manchen Stellen aber doch noch 8 M. breit und 1 M.
tief ist. Dieses Erdwerk wird nicht nur, wie der Enquetenbericht
angibt, „Trajanswall" (Valul lui Trajan), sondern, wie ich an Ort
und Stelle mir mehrfach sagen Hess, gewöhnlich „Trajanschaussee"
(Sosea lui Trajan) und da, wo er an den Fluss stösst (im N),
„Trajansfurt" (Vadu lui Trajan) genannt. Das Volk erkennt also
in der Anlage eine Chaussee und in der That legt das Aussehen
der zwischen den beiden Gräben eingeschlossenen Fläche und der
völlig ebene Lauf des Ganzen eine solche Auffassung sehr nahe.
Mit dem vorher beschriebenen Walle der westlichen Walachei
scheint dies Stück nichts zu thun zu haben; die grössere Stärke
des Baues Hesse sich zwar daraus erklären, dass bei einer so langen
Linie die Arbeit jedenfalls auf mehrere Ingenieure vertheilt war,
aber der Umstand, dass der Graben hier gegen Süden liegt, wäh-
rend er sich dort immer im Norden befand, ist doch wohl eine zu
starke Abweichung.

III

Ich komme jetzt zu einem Walle, der in den hiesigen Gegen-
den ziemlich bekannt27), durch seine Lage dicht bei Galatz eigent-
lich die meiste Veranlassung gegeben hat zu der Hypothese, dass
die walachische Brazda dorthin ausmünden müsse. Dieser Wall

Fig. 8

beginnt am Sereth, 12 Kilom. oberhalb der Mündung des Flusses'
bei Alt - Serbesci (Serb. vechi), zieht von da gegen NNO (20°),
wendet sich aber nachher mehr gegen Osten und endet schliesslich
mit rein östlicher Richtung bei Tulucesci an der Nordostspitze

") Auch auf der Handtke'sehen Specialkarte von Rumänien in 6 Blättern
ist er angegeben.
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