Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 217
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des Bratesch-See's, 15 Kilom. nördlich von Galatz. Ich habe ihn
zuerst gesehen auf der Höhe von Tulucesci, wo die neue Chaussee
durchschneidet und ein Wirthshaus liegt, das officiell Monostireaska,
im Volksmunde aber stets Trojan heisst. Das hier gemessene Profil
(s. Fig. 8) zeigt einen Aufwurf, der sich auf einer Basis von 24 M.
2*5 M. hoch erhebt, nördlich davor zunächst eine Bärme von 4*5 M.
Breite und dann einen scharf geschnittenen, 14 M. breiten und 2 7 M.
tiefen Graben. Auf dem zwischen Wall und Graben freigelassenen
ebenen Bodenstreifen läuft jetzt ein Fahrweg entlang. Am andern
Ende des Walles bei Serbesci ist das Profil verwaschener (Fig. 9):

Fig. 9

die Bärme ist verschwunden, der Graben, der hier als Fahrweg
benutzt wird, völlig ausgerundet. Das Terrain liegt im Westen
2 M. höher als im Osten; nach der somit schräg zu ziehenden
Niveaulinie hat der Graben noch eine Tiefe von 2 M., der Wall
eine Höhe von 3 M. Der Einschnitt, welcher in die Krone des
letzteren gemacht ist, umgrenzt eine Viehweide.

Dieser Wall nun wird, wie in den Chroniken, bei Cantemir
und bei Sulzer, so noch heute in der Phantasie der Bauern stets
in Verbindung gebracht mit der langen walachischen Linie. Wenn
dieselbe auch auf eine weite Strecke hin verschwunden sei, heisst
es, so tauche sie doch bei Galatz wieder auf und durchziehe von
da noch ganz Bessarabien. Trotzdem ich mir jedoch alle mögliche
Mühe gegeben, am Südufer des Sereth, Serbesci gegenüber, eine
Fortsetzung des Galatzer Walles zu finden, ein gutes Stück in's
Land hinein und dann östlich bis Barbosch gegangen bin, konnte
ich doch nicht das Geringste mehr entdecken. Ob demnach der
von Turn-Severin ausgehende Wall mit dem Galatzer Stück etwas
zu thun hat, ist ausserordentlich zweifelhaft, zumal da die neue
Linie eine ganz andere Construction aufweist.

Ich bin dann auch nach Bessarabien hineingefahren und wollte
die dortigen ,,Traj ans wälle''' begehen, erfuhr jedoch schon bei den
Grenzbehörden derartige Unannehmlichkeiten, dass ich mich auf
das allergeringste Maass der Besichtigung beschränken musste.
Der Grenzcontroleur an der Pruthmündung, der in meinen russischen
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