Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 9.1885

Seite: 218
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Generalstabskarten den hinreichenden Beweis für meine Eigenschaft
als rumänischer oder österreichischer Spion sah, schickte sich sofort
an, mich verhaften und durch zwei Gendarmen nach Reni trans-
portiren zu lassen. Und ich wäre diesem Schicksale wohl auch
nicht entgangen — besonders da im ganzen Bureau nur Russisch
gesprochen wurde! — wenn nicht ein deutscher Arzt von Galatz,
der auch gerade über den Pruth kam, sich in's Mittel gelegt und
eine Vereinbarung herbeigeführt hätte. Ich wurde entlassen auf
das bestimmte Versprechen hin, dass ich mit der Bahn direct nach
Kischnew durchfahren und mich dort sofort bei der Polizei melden
wollte. Weitere Erkundigungen machten mir dann klar, dass man
ohne einen speciellen Erlaubnissbrief von der russischen Regierung
an eine Unternehmung, wie ich sie vorhatte, wohl nicht wird denken
dürfen.

Nun fährt die bessarabische Bahn aber ausserordentlich lang-
sam , macht auf jeder Station eine halbe und bei Trojanski Val
neben Bolgrad sogar dreiviertel Stunden Aufenthalt. Somit hatte
ich hier Zeit, den Wall, der ganz dicht am Bahnhof liegt, zu be-
suchen , zu messen und noch bis auf die nächste Anhöhe zu ver-
folgen. Die Bahn schneidet die Walllinie dreimal: indem sie zuerst
von Reni aus gerade nach Norden hinaufläuft, dann nach Süden
zurückbiegt, schliesslich aber, und das ist bei Bolgrad, wieder in
ihre nördliche Hauptrichtung einlenkt. Ich hatte den Wall daher
schon vor jenem Stationsaufenthalt im Vorbeifahren gesehen und
dort bemerkt, dass er genau dieselbe Anlage zeigt, wie das Galatzer
Stück: dieselbe Stärke, dieselbe Lage des Grabens gegen Norden
und, was das Charakteristischste ist, sogar dieselbe freigelassene
Fläche zwischen Wall und Graben. Bei der Station Trojanski Val

ist das Profil viel verwischter, ähnlich dem des moldauischen Stücks
bei Serbesci; es zeigt einen 1*7 M. hohen Wall und 1*5 M. tiefen
Graben nördlich davor, die Gesammtbreite der Anlage beläuft sich
auf 39 M. (Fig. 10).

Der zweite bessarabische Wall, der weiter nördlich von
Leowa bis Bender zieht, ist viel schwächer gebaut. Ich habe den-
selben zwar nur aus dem Wagenfenster gesehen, aber, da der Zug
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